Ob diese Risiken mit gut 6 Prozent Verzinsung durch Alphabet ausreichend abgegolten sind, mag jede und jeder für sich entscheiden. Fakt ist: Milliarden und Abermilliarden am Anleihenmarkt zu finanzieren, ist kein Kinderspiel. Das können nur Unternehmen, die über eine entsprechende Bonität verfügen. In der Tat ist Alphabets Kreditwürdigkeit sehr gut: Die Rating-Agenturen S&P und Moody’s bewerten das Unternehmen mit AA+ und Aa2. Bei S&P ist es das zweitbeste mögliche Rating, Moody’s vergibt damit die drittbeste Bewertung. Heißt auf Deutsch: geringes Ausfallrisiko, hohe Wahrscheinlichkeit, dass Investoren ihr Geld wiederbekommen. Stand heute.
Doch was passiert da gerade? Nach drei Jahren KI-Boom an den Börsen fragen Investoren derzeit nicht nur, ob und wann sich die Ausgaben für Künstliche Intelligenz rechnen, sondern auch, welche Geschäftsmodelle überhaupt überleben. Software-Unternehmen, Großkanzleien, Versicherungsmakler: Verschiedenste Unternehmen und Branchen gingen an den Börsen in die Knie aus Angst, dass sie überflüssig werden – schneller als gedacht.
Bisher haben börsennotierte Immobilienfonds, sogenannte REITs, den KI-Boom großteils finanziert. Sie stecken Milliarden in Rechenzentren, also in genau jene Infrastruktur, die den Hunger nach Daten, Chips und Strom erst möglich macht. Doch steigende Zinsen und höhere Baukosten machen das Geschäft anspruchsvoller. Ziehen sich einige Investoren zurück, braucht es neue Geldquellen.
Unternehmen setzen also immer mehr auf Anleihen, um ihre Investitionen zu finanzieren. Früher waren es Industrieunternehmen, Banken und Versorger, die sich Geld am Anleihenmarkt besorgten. Heute sind es auch sogenannte Wachstumsunternehmen.
Alphabet hatte vorletzte Woche allein an einem einzigen Tag Anleihen für 20 Milliarden US-Dollar ausgegeben und weitere Papiere in Milliardenhöhe in Schweizer Franken und Britischem Pfund. Damit spricht man breite Zielgruppen an. Und signalisiert das eigene Selbstvertrauen und das Vertrauen, im KI-Rennen ganz vorn mit dabei zu sein und zu bleiben.
Aber dieses Selbstvertrauen haben auch andere. Alphabet ist ja nicht das einzige Beispiel: Das Software-Unternehmen Oracle hat 25 Milliarden US-Dollar am Anleihenmarkt aufgenommen. Auch Meta und Amazon bringen immer mehr KI-Anleihen auf den Markt, im zweistelligen Milliarden-Bereich. Auch sie wetten selbstbewusst auf ihre Zukunft. Aber nicht alle KI-Unternehmen werden Epochen überdauern, so viel kann man heute schon sagen.
