Einzelhändler als Vorreiter
Ist das die Zukunft des Parkens?
Aktualisiert am 17.02.2026 – 17:50 UhrLesedauer: 4 Min.

Deutschlandweit testen Einzelhändler wie Aldi und Lidl das Vermieten ihrer Kundenparkplätze an Anwohner. Kann sich das Konzept durchsetzen?
Parkplätze sind vor allem in größeren Städten oft rar gesät, und die Suche nach einem freien Stellplatz kann für Anwohner zu einer Geduldsprobe werden. Das Bauen neuer Parkplätze könnte Abhilfe schaffen, ist aber aufgrund diverser Faktoren keine Sache, die schnell erledigt ist.
Warum dann nicht einfach die Parkplätze, die ohnehin schon vorhanden sind, besser nutzen? Einige Einzelhändler haben das Potenzial ihrer Parkflächen erkannt. Denn die meisten Parkplätze vor Supermärkten, Discountern und anderen Läden stehen nachts leer. Schon seit einigen Jahren laufen deutschlandweit diverse Pilotprojekte, um diese Lücke zu füllen.
Die Parkplatzbuchung ist unkompliziert. Man mietet sich über einen ausgehängten QR-Code, die Webseite oder App des entsprechenden Anbieters einfach einen Stellplatz. Dabei gibt man auch das Kennzeichen seines Fahrzeuges an. Fährt man auf den Parkplatz, wird das Kennzeichen durch ein intelligentes Kamerasystem erfasst.
Fachsprachlich nennt man dieses Verfahren automatische Nummernschilderkennung (Automatic Number Plate Recognition, ANPR). Wemolo setzt dabei nach eigenen Angaben auf KI-gestützte Software, um die Erkennungsrate auch bei schwierigen Bedingungen wie Schmutz, ungünstigen Winkeln oder schlechtem Wetter möglichst hoch zu halten.
Wer die erlaubte Parkzeit überschreitet oder ohne Buchung parkt, verstößt gegen die geltenden Parkbedingungen. An den Aldi-Süd-Standorten in Krefeld, Augsburg und Südbayern, an denen Wemolo das Parkraummanagement betreibt, beträgt die Vertragsstrafe im Rahmen dieses Modells pauschal 35 Euro – egal, ob man nun eine halbe Stunde länger auf dem gebuchten Parkplatz steht oder die ganze Nacht einen nicht gebuchten Stellplatz belegt. Dies soll sicherstellen, dass die Flächen nicht dauerhaft blockiert werden und das System fair für alle bleibt.
Wie Tristan Thaller von der Presseagentur Scrivo Communications, die Wemolo vertritt, erklärt, wolle man mit der Vertragsgebühr niemanden unnötig sanktionieren. Ziel sei die Einhaltung der Regeln, damit das System funktioniert und Kundenparkplätze frei bleiben. Für viele Einzelhändler ist genau das nämlich entscheidend. Thaller zufolge machen viele Kunden ihre Einkaufsentscheidung auch von der Parkplatzsituation abhängig.
Ist ein Parkplatz voll – etwa, weil die Stellplätze unrechtmäßig belegt sind –, drehen Einkäufer wieder um, und den Einzelhändlern entgeht Kundschaft. Ist das also der Grund, warum das Feierabendparken bisher nur ein vereinzelt umgesetztes Pilotprojekt ist?
Ja, aber nicht nur. Dennis Willhardt, Pressesprecher von Aldi Nord, erklärt, dass es viele Gründe gibt, die gegen ein flächendeckendes Angebot sprechen. Dazu zählen etwa organisatorische und behördliche Problematiken, wie Lärmbelästigung durch Parkbewegungen in der Nacht, die die Nachtruhe stören können. Zudem wollen sich Einzelhändler hauptsächlich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und „wenig Nebenschauplätze“ eröffnen. Auch baurechtliche Belange müssen beachtet werden, wie ein Sprecher von Lidl t-online erklärt.










