„Vertrauensbasis zerstört“

AfD-Verteidigungspolitiker wollen Sprecher stürzen


13.04.2026 – 14:36 UhrLesedauer: 5 Min.

Rüdiger Lucassen: Er ist bereits seit 2017 verteidigungspolitischer Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag.

Unter Beschuss aus den eigenen Reihen: Rüdiger Lucassen, seit 2017 verteidigungspolitischer Sprecher der AfD im Bundestag. (Quelle: HC Plambeck)

Verteidigungspolitiker der AfD wollen sich von ihrem langjährigen Sprecher Rüdiger Lucassen trennen. In einem Antrag werden ihm „Alleingänge“ und ein „Führungsdefizit“ vorgeworfen. Lucassen sieht eine andere Motivation: Höcke.

Rüdiger Lucassen wirbt öffentlichkeitswirksam für Wehrpflicht, Nato und eine gute Verbindung zu den USA. Doch aus Sicht einiger seiner Kollegen hat der verteidigungspolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Bundestag den Bogen mit eigenmächtigem Vorgehen überspannt. Nach Informationen von t-online wollen Abgeordnete im Arbeitskreis Verteidigung, in dem viele ehemalige Soldaten sitzen, ihn in der Sitzung des Gremiums am morgigen Dienstag aus dem Amt wählen.

Dafür ist im Arbeitskreis eine Zweidrittelmehrheit nötig, die möglich scheint. Nach dem Arbeitskreis müsste jedoch auch die Gesamtfraktion noch abstimmen. Auch hier wäre eine Zweidrittelmehrheit nötig. Ob sie erreichbar ist, ist unklar.

t-online liegt der Antrag auf Lucassens Abwahl vor. Noch steht er nicht auf der Tagesordnung der Sitzung, kann aber als sogenannte „Tischvorlage“ eingebracht werden. Er ist unterzeichnet von dem Verteidigungspolitiker Heinrich Koch und trägt die Überschrift „Feststellung des Vertrauensverlustes gegenüber dem Vorsitzenden des Arbeitskreises Verteidigung (…) sowie Beschlussfassung über personelle Neuaufstellung“.

Konkret werden in dem Papier sechs Vorwürfe gegen Lucassen aufgelistet: „Alleingänge bei Veröffentlichungen ohne vorherige Abstimmung im Arbeitskreis“, „öffentliche Darstellung nicht abgestimmter Positionen, teils im Widerspruch zu bestehenden Beschlüssen“, „irreführende Darstellung interner Abstimmungsstände, insbesondere das Erwecken eines Konsenses, der tatsächlich nicht vorliegt“, „Missachtung interner Verfahren und Geschäftsordnungsgrundsätze (…)“, „Führungsdefizit durch unzureichende Einbindung der Mitglieder in zentrale politische Prozesse“ sowie „wiederkehrende Muster eigenständigen Handelns, das abgestimmte Verfahren unterläuft“.

Es handele sich dabei nicht um Einzelfälle, sondern ein „strukturelles Problem“, heißt es in dem Antrag weiter. Die Vertrauensbasis sei zerstört. Als Nachfolger für Lucassen solle die Fraktion Jan Nolte ernennen, bisher stellvertretender Leiter des Arbeitskreises Verteidigung.

Lucassen ist seit dem erstmaligen Einzug der AfD in den Bundestag im Jahr 2017 verteidigungspolitischer Sprecher. Nolte war bereits zu Anfang der neuen Legislatur als möglicher Nachfolger gehandelt worden. Am Ende einigten sich die beiden laut Lucassen auf einen Deal: Nolte sollte Lucassen nach der Hälfte der Legislatur auf dem Posten ablösen.

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