Dieter Nuhr ist wieder auf Tour. Die humoristischen Verrenkungen im neuen Programm offenbaren die Widersprüche des Comedians.
Friedrich Merz ist „der beste Kanzler, den wir haben“, lobt Dieter Nuhr zum Auftakt seiner neuen Tournee. Und schiebt hinterher: „Natürlich wäre es ohne ihn noch besser.“ Bei der Premiere im ostwestfälischen Minden am vergangenen Samstag arbeitet sich der Kabarettist immer wieder an Friedrich Merz ab und spielt auch mit Bildern wie „Pinocchio“ und „Lügenfritz“ – eine erlaubte Meinungsäußerung das Erste, strafbewehrt das Zweite. Deshalb: Merz‘ Nase möge lang erscheinen, aber „nicht weil er lügt! Das zu behaupten wäre mir zu teuer.“
Mit seinem neuen Bühnenshowprogramm zieht Dieter Nuhr nun wieder durchs Land. Zuletzt war er im Sommer wegen einer verharmlosenden Aussage zu Frauenmorden in die Kritik geraten. Nuhr ist als Kabarettist umstritten, auch weil er sich nach dem Eindruck vieler vom eher links-liberalen Comedian zum konservativen Opponenten des vermeintlich woken Zeitgeistes wandelte. Und dabei auch vor rechtspopulistischen Plattitüden nicht zurückschreckt. Was seiner Popularität nicht geschadet hat. Im Gegenteil.
Auf seiner aktuellen Tournee zeigt er sich wieder als massenkompatibler DJ, der mit den Platten, die er so auflegt, viele Meinungsmilieus und Geschmäcker zu bedienen weiß und sich so als genialer Vermarkter seiner selbst beweist. Der sich aber beim Verkaufen von allem und jedem in Widersprüche verstrickt, wie seine oberflächliche, ja grobe Medienkritik offenbart. Die Folge: ein Verlust an Überzeugungskraft.
Über Merz zu spotten ist wohlfeil, leicht zu haben. Die Bärbel Bas mag der Nuhr auch nicht. Lars Klingbeil und Katrin Göring-Eckardt ebenso wenig. Doch auch die AfD bekommt ihr Fett ab – und zwar reichlich: „absolut furchtbar, niveaulos“, keine praktische Lösung für die tatsächlichen Probleme. Man will sich schließlich nicht in die Ecke des Rechtspopulisten stellen lassen, das könnte geschäftsschädigend sein.
AfD-Politiker Chrupalla als Putins Schließmuskel
Der Wahlgewinner von Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, sei „das freundliche Gesicht der Bewegung“. Will Siegmund überhaupt regieren? „Wenn er mal dran ist, kommt raus, dass er davon gar nichts versteht.“ Bei Alice Weidel wisse man nicht genau, ist sie nun „die Enkelin von Eva Braun oder von Margot Honecker?“ Aber erst das BSW! Da wird es derb: Sahra Wagenknecht habe „ihr Hauptquartier in Putins Enddarm eingerichtet“. Nicht ganz logischer Sprung zum AfD-Co-Vorsitzenden Tino Chrupalla: Der sei dabei der „Schließmuskel“.
Näher an der tatsächlichen Politik ist Nuhr dort, wo er die leeren Versprechungen der AfD geißelt. Die Abschiebungen vor allem. „Berlin wäre ohne Migranten leer.“ Noch treffender: Die AfD wolle „die letzten Menschen ausweisen, die noch in der Lage sind, eine Obstkiste anzuheben, ohne hinterher eine Kur zu beantragen.“
