Wie man das Problem insgesamt, aber auch mit Blick auf Sachsen-Anhalt, lösen wolle, sei fraglich, heißt es aus der Partei. Der Bundesvorstand jedenfalls mache insgesamt wenig Anstalten, tatsächlich aufzuräumen. Tatsächlich ist vor Kurzem zur Aufklärung eine sogenannte „Vertrauensgruppe“ eingesetzt worden – die aber soll sich allein auf die Fälle in Niedersachsen konzentrieren.
Als Geburtsfehler sieht mancher inzwischen überhaupt das Aufstellen von Frohnmaier als Spitzenkandidat. Freilich gilt dabei die Regel: Hinterher ist man immer schlauer. Als Problem aber wird gesehen, dass Frohnmaier zwar eine steile Parteikarriere, aber weder einen Berufs- noch einen Studienabschluss im echten Leben vorzuweisen hat.
In der AfD war Berufserfahrung außerhalb der Politik früher ein hohes Gut, lange sogar eine Pflichtvoraussetzung für die Bewerbung auf Mandate. Schon bei Frohnmaiers Wahl zum Vorsitzenden des Arbeitskreises Außen und damit zum außenpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktion äußerten ältere Kollegen deswegen heftig ihren Unmut.
Schwerwiegender noch: Frohnmaier hatte nie das Ziel, von Berlin nach Stuttgart zu wechseln. Er ließ sich – im Gegensatz zu all seinen Kollegen, die die Spitzenkandidatur in anderen Ländern ausfüllen – weder im Wahlkreis noch auf der Landesliste aufstellen. Seine Kandidatur blieb eine reine Show-Kandidatur.
Kritik richtet ein Bundestagsabgeordneter, der nicht namentlich genannt werden will, deswegen auch in Richtung der Parteichefin Alice Weidel. Die stammt wie Frohnmaier nämlich aus dem Landesverband Baden-Württemberg. „Wenn man schon einen Kandidaten aufstellt, der eh nicht die Absicht hat, von der Bundespolitik in die Landespolitik zu wechseln, dann hätte man das bekannteste Gesicht nehmen müssen“, sagt er im Gespräch mit t-online. „Und das ist nun mal Weidel.“
Tatsächlich ist diese Möglichkeit auch in der Presseberichterstattung vollkommen untergegangen. Zur letzten Landtagswahl in Sachsen und mit Blick auf den aus Sachsen stammenden Bundeschef Tino Chrupalla ist die Frage, ob Chrupalla es nicht machen müsse, hingegen breit in der Öffentlichkeit diskutiert worden.
Die Bundesspitze geht eingehenden kritischen Fragen zum Baden-Württemberg-Ergebnis und ihrem Spitzenkandidaten lieber aus dem Weg. Die sonst bei der AfD übliche gemeinsame Wahlnachlese von Landes- und Bundesspitze sagte man kurzfristig ab. Nach Einschätzungen aus der Partei ist das ein Novum. Die Frage nach dem Grund der Absage wollte t-online in der Pressestelle der Partei niemand offiziell beantworten.









