Landtagswahl
AfD holt fast 19 Prozent – Volkspartei oder Denkzettel?
Aktualisiert am 09.03.2026 – 15:26 UhrLesedauer: 3 Min.
Die AfD erzielt in Baden-Württemberg ihr bestes West-Ergebnis bei einer Landtagswahl – doch bleibt wohl in der Opposition. Wo die AfD stark ist und was ihre Wähler laut Fachleuten bewegt hat.
Die AfD hat in Baden-Württemberg das beste Wahlergebnis bei einer Landtagswahl in Westdeutschland erzielt. Mit 18,8 Prozent der Zweitstimmen ist der Anteil noch höher als in Hessen 2023 (18,4 Prozent). „Wir sind jetzt auch in Baden-Württemberg Volkspartei“, sagte Bundesparteichef Tino Chrupalla. Obwohl Spitzenkandidat Markus Frohnmaier der CDU Avancen machte, dürfte es aber bei einem Platz auf der Oppositionsbank bleiben.
Im Vergleich zur Landtagswahl 2021 hat die AfD, die der Verfassungsschutz im Südwesten als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet, ihr Ergebnis fast verdoppelt. „Und darauf sind wir natürlich stolz“, sagte Frohnmaier. Zudem zeige das Ergebnis, dass die Bürger keine grüne Politik mehr wollten, sondern einen Kurswechsel. Bei der CDU warb er für eine bürgerlich-konservative Mehrheit, die rechnerisch möglich wäre. CDU-Landeschef Manuel Hagel schloss aber aus, sich von der AfD zum Regierungschef wählen zu lassen.
Das gute Abschneiden am Sonntag kam nicht überraschend: Schon bei der Bundestagswahl 2025 hatte die Partei in Baden-Württemberg – wie auch in anderen westdeutschen Ländern – zugelegt. Mit 19,8 Prozent der Zweitstimmen lag die AfD im Südwesten nur knapp unter dem bundesweiten Schnitt.
Ist der Zenit überschritten, da der Wert nun etwas darunter liegt? Das wäre eine leicht optimistische Interpretation, sagte Rolf Frankenberger vom Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen der Deutschen Presse-Agentur. „Die Partei hat ausgeschöpft, was sie kann.“
Bei der Landtagswahl wurde die AfD laut einer Analyse der Forschungsgruppe Wahlen nach Ansicht von 62 Prozent der Befragten „als Denkzettel“ und nach der Meinung von nur 32 Prozent wegen ihrer politischen Forderungen gewählt. Auch Wahlsieger Cem Özdemir (Grüne) räumte ein, für die Erfolge der AfD sei deren Arbeit im Parlament komplett irrelevant. „Die AfD wird gewählt, weil die Wählerinnen und Wähler uns „ne Botschaft mitgeben wollen.“
Zudem zeigten ARD und ZDF aus ihren Daten zu Wählerwanderungen, dass die AfD vor allem Stimmen von Nichtwählern hinzugewonnen habe. Deutlich geringer seien Ströme von ehemaligen CDU- beziehungsweise FDP-Wählern. Diese Entwicklung sei auffällig, sagte Frankenberger. Viele hätten wohl gedacht: „Jetzt kommt“s drauf an.“ Auch hätten sich die Grünen nicht so stark von der CDU unterschieden, „wenn man nicht so genau hinschaut“.
Stark schnitt die AfD vor allem in ländlicheren Gebieten wie dem Schwarzwald ab. Im südbadischen Wahlkreis Tuttlingen-Donaueschingen bekam sie ihren höchsten Zweitstimmen-Anteil von 26,7 Prozent, lag aber hinter der CDU.
