Es muss empören
Ein Podcast funktioniert anders. Er ist in vielen Fällen frei zugänglich, lässt sich nebenbei hören und bietet damit einen niederschwelligen Zugang. Gleichzeitig erschließen solche Formate Zielgruppen, denen klassische Nachrichtenangebote nur selten begegnen. Insbesondere jüngere Menschen informieren sich vorrangig über soziale Netzwerke und stoßen dort auf journalistische Inhalte, oft in Form kurzer Videos oder Zitate, die in ihrem Feed auftauchen. Podcasts (und Videopodcasts) liefern das Rohmaterial für eine solche digitale Weiterverbreitung.
Aus einer Episode entstehen kurze Videoausschnitte für Instagram, TikTok oder YouTube Shorts, prägnante Zitate für X oder LinkedIn sowie weitere Nachrichten, die von anderen Medien aufgegriffen werden. Die eigentliche Recherche wandert nicht mehr ausschließlich als Text durch die Öffentlichkeit. Sie wird zitiert, kommentiert, neu eingeordnet und in immer neue Formate übersetzt.
In sozialen Netzwerken und der digitalen Zirkulation greifen allerdings algorithmische Logiken, die Beiträge bevorzugen, welche viele Interaktionen auslösen. Dies geschieht meist über Emotionalisierung, Zuspitzung oder Engführung, die Empörung evozieren. Diesen Mechanismen müssen sich auch seriöse Redaktionen unterordnen, wenn sie in den Feeds der Nutzenden sichtbar werden wollen.
Die Erzählung, dass der Medien-Milliardär Mathias Döpfner den unbeliebten Kanzler Friedrich Merz drängt, die Brandmauer zur AfD einzureißen, weil er sonst negative Schlagzeilen zu befürchten habe, ist dafür perfekt geeignet. Sie bündelt eine Vielzahl verlässlicher Reibungspunkte für unterschiedliche politische Lager. So lässt sich auch erklären, warum Quadbeck und Lamby diese Story für die Premiere ihres Podcasts ausgewählt haben, obwohl sie auf wackeligen Beinen steht. Sie war offenbar schlicht zu verlockend, zu vielversprechend für die mediale Verwertbarkeit, um sie ungenutzt vorbeiziehen zu lassen.
Comedy für eine bessere Sichtbarkeit
Das Redaktionsnetzwerk Deutschland oder die Funke-Mediengruppe stehen mit diesen Überlegungen nicht allein. Auch die Chefredakteurin von Correctiv, Anette Dowideit, bestätigte in einer Diskussion auf der Re:publica 26, dass man schon seit Jahren darüber nachdenke, wie man Menschen überhaupt noch dazu bringt, die Ergebnisse ihrer Arbeit wahrzunehmen. „Gerade die investigativen Recherchen sind ja oft sehr, sehr, sehr, sehr lange Texte und passen nicht mehr zur TikTok-Realität“, stellte sie fest.










