Doch kein Weltrekord
Wissenschaftler melden sich: Wende bei Uralt-Fossil
Aktualisiert am 09.04.2026 – 16:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Jahrelang hält ein Fossil einen Weltrekord – als erster dokumentierter Oktopus. Nun stellen Wissenschaftler fest: Eigentlich handelt es sich um ein ganz anderes Tier.
Der älteste Oktopus der Welt verliert seinen Platz in der Liste der Guinness-Weltrekorde – denn Wissenschaftler haben ermittelt, dass es sich bei dem etwa 300 Millionen Jahre alten Fossil wahrscheinlich gar nicht um einen Oktopus handelt. Wie ein Expertenteam in einem am Mittwoch in der Fachzeitschrift „Proceedings of the Royal Society B“ veröffentlichten Aufsatz schrieb, handelt es sich vermutlich um einen urzeitlichen Kopffüßer.
In der Fachwelt war die Einordnung des Fossils schon länger umstritten: Wie der Zoologe Thomas Clements von der Universität Reading, der das Forscherteam leitete, der Nachrichtenagentur AP erklärte, hat vor allem eine große Zeitlücke die Forscher stutzig gemacht. Das nächst ältere bekannte Oktopus-Fossil sei lediglich 90 Millionen Jahre alt – also etwa 200 Millionen Jahre jünger.
Clements erklärte: „So eine große Lücke veranlasste die Forscher dazu, sich zu fragen: ‚Ist dieses Ding eigentlich ein Oktopus?'“ Auch deswegen wurden die versteinerten Überreste mit moderner Technik untersucht. Mit einem Teilchenbeschleuniger gelang es den Wissenschaftlern, in das Gestein zu schauen.
Das Forscherteam entdeckte dabei eine Raspelzunge. Der „Oktopus“ habe in jeder Reihe elf Zähne gehabt – eigentlich sind aber nur Tiere mit sieben oder neun bekannt. Deswegen gehen die Wissenschaftler jetzt davon aus, dass es sich bei dem Fossil um einen Vertreter von vor der Versteinerung teilweise verwesten Nautiloideen handle. Viele Gattungen dieser Kopffüßer sind heute ausgestorben.
Adam Millward von Guinness World Records erklärte der Nachrichtenagentur AP, dass die Organisation jetzt die Ergebnisse der Wissenschaftler prüfe. Der Titel „ältestes Oktopus-Fossil“ werde nun vorerst ruhen.
Auch wissenschaftlich haben die neuen Entdeckungen großen Einfluss: Wegen des Fossils ging die Forschung lange davon aus, dass es Oktopusse bereits seit dem Paläozoikum gibt, also in einer Zeit bis vor circa 541 Millionen Jahren. Nun müsse die Gattung neu eingeordnet werden – in dem Aufsatz heißt es, dass der Ursprung des modernen Oktopus im Jura liegt. Nachweise von Oktopoden sind so etwa 200 Millionen Jahre alt.
Für das Field Museum in Chicago, zu dessen Sammlung das Fossil gehört, hat Wissenschaftler Clements eine gute Nachricht. Er erklärte der AP: Statt des ältesten Oktopus der Welt hätten sie jetzt das „älteste Weichteil-Nautilus der Welt“ in ihrer Sammlung.










