Stadtgeschichte
Die älteste Tankstelle Berlins steht auf einer Insel
26.07.2026 – 12:39 UhrLesedauer: 3 Min.
In den späten 20er-Jahren entstand in Kreuzberg ein unscheinbarer kleiner Bau: eine Tankstelle, die heute als die älteste der Stadt gilt. Es gibt sie noch. Was aus ihr geworden ist.
Die Architekten Paul Schröder und Max Pohl entwarfen Ende der 20er-Jahre einen ganz besonderen Bau: funktionalistisch, mit weißen Fassaden und in seiner Form an den Aufbau eines Schiffs erinnernd. Es war eine der ersten Tankstellen Berlins, die hier auf der Lohmühleninsel in Kreuzberg entstand. Heute gilt das Gebäude in der Straße Vor dem Schlesischen Tor als die älteste noch erhaltene Tankstelle der Hauptstadt.
Sie ist möglicherweise aber nicht die erste Tankstelle Berlins – diese könnte sich verschiedenen Quellen zufolge auch in der Stargarder Straße in Prenzlauer Berg befunden haben. Das Gebäude wurde allerdings 2010 geschlossen und abgerissen.
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Das kleine weiße Haus auf der Lohmühleninsel ist der Rest einer einstmals umfangreichen Raststätten- und Garagenanlage, die zwischen 1928 und 1929 anstelle des Stadt-Park-Theaters errichtet wurde. Nachdem er fertig war, bestand der Komplex aus einer Großgaragenanlage mit 104 Boxen, einem Cafégebäude und kleinen Läden. Zur Straße hin gab es ein weitgespanntes Tankstellenvordach.
Ein außergewöhnliches Detail sind die abgerundeten Gebäudeecken der Eingangsfront. Im Erdgeschoss der Tankstelle befanden sich die Serviceräume, im Obergeschoss die Wohnung des Tankmeisters. Die anfängliche Raumaufteilung kann man heute nicht mehr nachvollziehen, da der Bau 1999 entkernt und umgebaut wurde. Auch das Vordach, das man heute vor der Tankstelle sieht, stammt aus dieser Umbauphase.
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Drei Lohmühlen gaben der Insel ihren Namen
Die nur gut 600 Meter lange und 100 Meter breite Lohmühleninsel gibt es erst seit 1845. Damals wurde der Landwehrkanal von der Spree abgezweigt, welcher zugleich einen Flutgraben erhielt. Zuvor gab es hier einen Floßgraben, an dem bis ins Jahr 1803 drei Lohmühlen standen, die Rinde zu Borkenmehl verarbeiteten, welches in der Ledergerbung verwendet wird. Die Mühlen sind mittlerweile verschwunden, der Name Lohmühleninsel blieb. Sie liegt genau gegenüber dem Osthafen.
Der Flutgraben bildet die Grenze zwischen den Ortsteilen Kreuzberg und Alt-Treptow. Während der deutschen Teilung verlief hier also die innerdeutsche Grenze zwischen West- und Ostberlin – was die ganze Insel praktisch für Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf versetzte. Heute befinden sich auf der Lohmühleninsel neben der Tankstelle mehrere weitere denkmalgeschützte Bauten, darunter das letzte erhaltene Berliner Zollhaus. Auch drei der vier Brücken, die zu der Insel führen, stehen unter Denkmalschutz – allerdings nicht die Lohmühlenbrücke. Sie liegt nämlich gut einen Kilometer entfernt in Neukölln.
