Proteste
Zehntausende bei Jugend-Demos – dann teils schwere Krawalle
Aktualisiert am 01.11.2026 – 13:28 UhrLesedauer: 4 Min.
Nach zunächst ruhigen Demonstrationszügen junger Menschen schlägt die Stimmung am Abend in mehreren Städten in Gewalt um. Überlagern Ausschreitungen die Anliegen der Jugendlichen?
Zuerst Zehntausende junge Menschen zumeist friedlich auf den Straßen – danach teils schwere Krawalle, Plünderungen und Festnahmen: Nach Jugend-Demonstrationen in mehreren Städten ist die Lage am Abend und in der Nacht zum Sonntag vor allem in Frankfurt am Main eskaliert. Nach Polizeiangaben flogen Brandflaschen, Randalierer zerstörten Schaufenster. Auch in Köln gab es gewalttätige Szenen.
Die Ausschreitungen wurden parteiübergreifend scharf verurteilt. Zugleich kamen Mahnungen, die Anliegen junger Menschen etwa für bessere Bildung stärker zu beachten.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) machte vor allem bestimmte Gruppen als Urheber von Krawallen aus. „Gewaltbereite linke Gruppen und Chaoten aus dem migrantischen Milieu haben gestern Abend die friedlichen Demonstrationen vom Nachmittag gekapert“, sagte er der „Bild“. „Die Randalierer und Plünderer werden identifiziert und zur Rechenschaft gezogen. Auf diesen Landfriedensbruch müssen harte Strafen folgen.“ Die Polizei habe „Gewaltexzesse wie in Paris“ verhindert. „Das Einsatzkonzept der Polizei mit massiver Präsenz und dezentraler Kräfteaufstellung ist aufgegangen.“
Auch die Innenminister von Hessen und Nordrhein-Westfalen, Roman Poseck und Herbert Reul (beide CDU), machten Linksextremisten und gewaltbereite junge Männer verantwortlich, Poseck sprach wie Dobrindt davon, dass sie „überwiegend aus einem migrantischen Milieu“ kämen.
Aufruf zu friedlichem Protest
Zu friedlichen Demonstrationen in rund 30 Städten hatte die Initiative „Gen Z regelt“ aufgerufen. Die Abkürzung steht für die „Generation Z“ der etwa 15- bis 30-Jährigen. Zu den Forderungen gehörten mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten etwa beim Wohnen, für soziale Gerechtigkeit und mehr Klimaschutz. Die Einführung einer Wehrpflicht lehnt sie ab, ebenso einen Ausbau staatlicher Überwachung.
Vor den Eskalationen zog die Initiative ein positives Fazit. Hunderttausend Menschen hätten gezeigt, wofür sie auf die Straße gehen. Weitere Demos gab es etwa in Mainz, München, Nürnberg, Erfurt, Magdeburg, Dresden und Leipzig, wobei auch unter den friedlichen Teilnehmern viele migrantische Jugendliche waren.
„Was nach dem Ende der Kundgebungen passiert ist, darauf hatten wir keinen Einfluss“, sagte ein Sprecher. Die Initiative veröffentlichte am Abend eine Stellungnahme, in der sie sich von „jeglicher Form der Gewalt sowie von gewalttätigen Handlungen anderer Gruppen oder Einzelpersonen“ distanziert, die nicht Teil der Demonstrationen waren. „Wir stehen für friedlichen Protest.“
Einkaufsmeile abgesperrt
In einigen Städten kippte die Stimmung nach den Versammlungen. In Frankfurt sperrte die Polizei die Einkaufsmeile Zeil ab, Spezialeinsatzkräfte (SEK) waren im Einsatz. In der Innenstadt beobachteten dpa-Reporter, wie Personen in Geschäfte eindrangen und Turnschuhe und andere Gegenstände stahlen. Auch ein Waffenfachgeschäft wurde attackiert. Laut Polizei wurden Molotowcocktails auf Einsatzkräfte geworfen. 54 Personen zwischen 13 und 29 Jahren wurden festgenommen. „Sie haben jedenfalls überwiegend die deutsche Staatsangehörigkeit“, sagte Poseck. 17 Geschäfte seien beschädigt und fünf geplündert worden.
In Köln kam es nahe dem Hauptbahnhof zu Angriffen auf Polizisten, es wurden Flaschen und Fahrräder geworfen. Polizeipräsident Johannes Hermanns sagte: „Wir haben Molotowcocktails und Nothämmer bei Vermummten sichergestellt.“ Aus Berlin wurden Flaschen-, Böller- und Eierwürfen gemeldet, aus Hamburg brennende Barrikaden. In einigen Städten setzte die Polizei Wasserwerfer ein.