Krise bei Volkswagen
VW stoppt Arbeit am ID. Golf: „Können uns das nicht leisten“
30.10.2026 – 13:26 UhrLesedauer: 2 Min.
Volkswagen hat im dritten Quartal Milliarden verloren. Jetzt zieht die Marke bei einem ihrer wichtigsten Zukunftsprojekte die Notbremse.
Volkswagen hat die Entwicklung seines Elektromodells ID. Golf vorerst gestoppt. Die Vorarbeiten für das mit großen Hoffnungen verbundene Kompaktmodell würden ausgesetzt, sagte VW-Markenchef Thomas Schäfer am Freitag in einem im Intranet veröffentlichten Interview, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt. „Wir können uns diese Arbeiten gerade schlicht nicht leisten.“ Ziel sei es, die Arbeiten so schnell wie möglich wieder aufzunehmen.
Erst am Vortag hatte der Volkswagen-Konzern für das dritte Quartal des Jahres einen Verlust von 5,8 Milliarden Euro gemeldet. Die Konzerntochter Audi meldete am Freitag einen Gewinnrückgang. Der ID. Golf soll Anfang der 2030er-Jahre auf der neuen Elektroplattform SSP auf den Markt kommen. Als erstes Fahrzeug auf SSP-Basis ist der elektrische T-Roc geplant.
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Der Volkswagen-Betriebsrat teilte auf Anfrage mit, die Pause bedeute nicht, dass der ID. Golf tatsächlich später an den Start gehe. Zeitverzug lasse sich aufholen. „Der Ausgaben-Stopp für die Vorleistungen zum ID. Golf ist aber ein weiteres Anzeichen dafür, wie angespannt die finanzielle Lage des Konzerns ist.“
Warum Elektroautos weniger Geld bringen
Mit E-Fahrzeugen verdiene Volkswagen weniger Geld als mit vergleichbaren Verbrennern, sagte Schäfer. Ein Grund: Die Wertschöpfung hat sich vom Motor zur Batterie verschoben, deren wichtige Komponenten VW zukauft. Das schmälert die Margen.
Dazu komme der Preisdruck, insbesondere durch chinesische Hersteller, die gerade bei Hybriden mit niedrigen Preisen nach Europa drängten. In den ersten neun Monaten lasteten zudem Restrukturierungskosten, das Aus für die Fertigung des ID.4 im US-Werk Chattanooga und Belastungen im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Werks in Osnabrück auf dem Gewinn.

Wolfsburg verfehlt Sparziel
Die Werke in Emden und Zwickau seien bei der Reduzierung ihrer Fabrikkosten auf Kurs, sagte Schäfer. Das Stammwerk in Wolfsburg erreiche seine Ziele aktuell aber nicht, hier fehlten im laufenden Jahr rund 300 Millionen Euro. „Die Lage ist ernst“, erklärte Schäfer.
Zuletzt hat VW zudem mit einem Grundsatz gebrochen: Bislang entwickelte der Konzern alle Modelle am Stammsitz in Wolfsburg. Nun setzt die Konzernspitze auch auf Entwicklungen am Standort Hefei in China. Von dort aus sollen ebenfalls wichtige Märkte bedient werden.
Für den ID. Golf gilt derweil: Damit die Arbeiten wieder anlaufen können, müssten die Kosten weiter sinken, sagte Schäfer.