Wird Ilse Aigner Bundespräsidentin? Die Frage prägt den Parteitag der CSU in München. Friedrich Merz reagiert auf den Wunsch aus Bayern auf seine Art.
Es dauert keine zehn Sekunden, da weiß Friedrich Merz, worum es der CSU an diesem Samstag auf ihrem Parteitag in München geht. „Lieber Markus Söder, liebe Ilse Aigner …“, beginnt Merz seine Rede – und kommt erst mal gar nicht weiter. Applaus bricht los, Jubel. Die Delegierten stehen auf, fast eine Minute geht das so. Sie jubeln ihrer Ilse Aigner zu, wollen sie nach Berlin jubeln.
Ilse Aigner, die in Berlin schon Landwirtschaftsministerin unter Angela Merkel war, dann zurück nach Bayern wechselte, Wirtschaftsministerin und später Bauministerin wurde, sitzt an diesem Wochenende als Landtagspräsidentin in der ersten Reihe. Doch schon ihre Garderobe zeigt an, dass sie bald gerne wieder zurück nach Berlin möchte. Schwarzes Oberteil, roter Blazer, goldene Kette: Schwarz-Rot-Gold. Wie passend.
Die B-Frage ist am Wochenende das Thema auf dem Parteitag der CSU, das alle umtreibt. Jetzt, wo Markus Söder wieder weitgehend unumstritten in Bayern ist. Aber wer wird im Januar Bundespräsidentin? Die CSU hätte gerne, dass Ilse Aigner es macht. Als erste Frau überhaupt. Doch es gibt Widerstand aus Berlin. Die CDU will das Amt nicht so einfach abschenken. Doch wen will sie dann?
Ein kleiner Gruß aus Berlin
Es war schon reichlich ungewöhnlich am Freitag. Wenige Stunden, bevor Markus Söder auf die Bühne trat und die Bayern-Show beginnen wollte, ließ die CDU über die „FAZ“ wissen, sie habe „durchaus den Anspruch, einen eigenen Kandidaten oder eine eigene Kandidatin“ für das Bundespräsidentenamt zu benennen.

Eine kleine Gemeinheit, so sehen sie das in München. In der CDU wussten sie natürlich, dass Söder seine Rede nutzen wollte, Aigner noch einmal nach Berlin zu loben. Dass die CDU am Ende das gewichtigere Wort bei der Entscheidung hat, ist der kleinen bayerischen Schwester CSU eh klar. Am Abend aber fragt mancher in München, was wohl wieder los gewesen wäre, wenn die CSU das so gemacht hätte.
Unnötig ist noch eines der freundlicheren Worte, die in München für den Einwurf fallen. Der schlechten Stimmung in der Koalition hilft die ganze Sache nicht. Zumal die CSU ein Argument hat, was sich gerade schwer wegdiskutieren lässt: Wenn die CDU jemanden vorschlagen wolle, heißt es, dann solle sie das doch mal machen. Offensichtlich habe sie ja niemanden.
Friedrich Merz selbst erwähnt die B-Frage in seiner 50 Minuten langen Rede an diesem Samstag dann mit keinem Wort. Es ist wohl sein Versuch, die Sache nicht noch mehr eskalieren zu lassen.
In der CDU kursieren (zu) viele Namen
Es ist nicht so, dass in der CDU keine Namen kursieren würden. Im Gegenteil: Das Problem ist, dass noch immer viele Namen kursieren. Es braucht aber am Ende genau einen Namen. Viel Zeit ist nicht mehr. Theoretisch kann zwar noch am Wahltag, am 30. Januar 2027, eine Kandidatin oder ein Kandidat vorgeschlagen werden. Praktisch wäre das aber wieder ein Signal, dass sich die politische Mitte nicht einig wird.