Nino de Angelo rechnet ab
„In der Schlagerwelt geht die Post ab – hinter verschlossenen Türen“
Aktualisiert am 21.10.2026 – 14:01 UhrLesedauer: 2 Min.
In Fernsehshows präsentiert sich die Schlagerwelt als große Familie. Nino de Angelo kennt die Branche – und zeichnet ein ganz anderes Bild.
Herzlichkeit auf der Bühne, Harmonie vor der Kamera: Die Schlagerwelt gibt sich nach außen gern als perfekte Gemeinschaft. Nino de Angelo sieht das anders. Im Podcast „Wondermom“ von Natascha Ochsenknecht hat der Sänger offen über Neid, Missgunst und eine Branche gesprochen, in der vieles nicht so ist, wie es scheint.
Ob in den Sendungen von Florian Silbereisen oder Giovanni Zarrella – Schlagerstars singen oft Duette, liegen sich in den Armen und feiern einander. Für de Angelo ist das vor allem eines: Schauspiel. „Sagen wir mal so: Ich denke mal, dass die heile Welt halt vorgegaukelt wird. Aber in der Schlagerwelt geht die Post ab – halt hinter verschlossenen Türen und nicht so offensichtlich. Weil man könnte ja ein schlechtes Image bekommen“, so de Angelo.
Nino de Angelo: „Daran sind schon viele Künstler kaputtgegangen“
Viele Kollegen seien sehr darauf bedacht, ein möglichst charismatisches Bild von sich nach außen zu verkaufen. Er selbst habe dabei nie mitspielen wollen. „Ich bin doch ein Mensch wie jeder andere auch, warum muss ich dann irgendwas vorspielen, nur damit ich beim nächsten Mal wieder viele Platten oder CDs verkaufe?“, so de Angelo.
Wer sich dauerhaft verbiege, zahle einen hohen Preis, betonte der „Jenseits von Eden“-Interpret. „Und daran sind ja auch schon viele Künstler, auch Schlagerkünstler, kaputtgegangen.“ Als Beispiele nannte er Rex Gildo und Roy Black.
Die Auftritte von Roy Black in der „ZDF-Hitparade“ hatte de Angelo als Kind regelmäßig verfolgt, bevor er ihn später persönlich kennenlernte. Seine Erinnerung an den 1991 verstorbenen Sänger ist zwiegespalten. „Roy Black war echt so ein witziger Mensch – aber erst, wenn er ein paar Bier getrunken hat. Ansonsten war der depressiv.“

Eine gemeinsame Autofahrt zu einer Fernsehsendung blieb de Angelo besonders im Gedächtnis. Er saß damals als Newcomer auf dem Rücksitz, als Black ein Telefonat führte, schlecht gelaunt wurde und ankündigte, auf der Autobahn aussteigen zu wollen. De Angelo sei davon „total irritiert“ gewesen. „Da habe ich mir dann gedacht: ‚Mensch, jetzt lernst du den kennen, und siehst, wie unglücklich der Mann eigentlich ist.'“
Nino de Angelo erlebte Neid und Missgunst
Auch abseits solcher Begegnungen erlebte de Angelo die Branche als hartes Pflaster. „Ich habe ja sehr viele Neider gehabt“, sagte er. Sein Erfolg trotz eines turbulenten Lebensstils habe Kollegen aufgebracht: „Die waren halt schon ziemlich angefressen und angepisst auf mich.“ Als es für ihn schlechter lief, hätten manche kaum Mitgefühl gezeigt. Stattdessen habe er sich Sätze anhören müssen wie: „Mit deiner Stimme hätte ich eine Weltkarriere gemacht.“ De Angelo ergänzte: „Alle wussten es immer besser.“
Dass er selbst ein großes Talent besitze, sei dabei Teil des Problems gewesen: „Und da ziehst du auch den Neid an, weil die sagen: ‚Guck, der lebt wild, der hält sich nicht an Regeln. Der schreibt keine Autogramme, aber wir schreiben hier drei Stunden … Und der geht einfach und hat trotzdem Erfolg.'“ Das alles habe ihm „natürlich auch wehgetan“. Sein Fazit: „Boah, ist das alles verlogen.“