Fall Lee Langley: Verdächtige nannte 2012 konkreten Ort
Nach der Tat passierte vonseiten der Ermittler erst einmal wenig. Bis sich die heute 56-Jährige im Jahr 2012 bei einer Faschingsfeier verplapperte. Dort erzählte sie, ihr Ex-Mann habe zwei Frauen umgebracht – und landete so in einem Vernehmungsraum der Polizei. Bei der Vernehmung beschuldigte sie erneut ihren Ex-Mann, den damaligen Lebensgefährten der Vermissten. Und schon damals habe sie einen konkreten Ort genannt, wo die Leichenteile vergraben worden sein sollen, schildert Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher von der Staatsanwaltschaft Regensburg t-online.
Allerdings ergaben sich schnell Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Frau. Zur ersten Vernehmung sei sie in betrunkenem Zustand gekommen. Bei ihrer zweiten Vernehmung – in nüchternem Zustand – habe sie ihre eigene Aussage schließlich bestritten. Hinzu sei gekommen, dass Grabungen im Bereich des genannten Ortes keinerlei Ergebnis erbracht hätten. Heute weiß Rauscher, dass die Ermittler damals nur 500 Meter von den sterblichen Überresten entfernt suchten. Wären die Ermittler bereits damals fündig geworden, etwa durch einen glücklichen Zufall, hätte der Fall schon damals geklärt werden können.
„Ach, Schmarrn“, sagte ihr Lebensgefährte

Auch den Lebensgefährten nahmen die Ermittler damals genau ins Visier. Er sei bereits 2012 als Beschuldigter vernommen worden, wie Oberstaatsanwalt Rauscher nun erstmals bestätigt. Seine Antwort auf die erhobenen Vorwürfe: „Ach, Schmarrn“, zitiert Rauscher für t-online aus dem Protokoll. „Der damalige Aktenstand hätte im Leben nicht für eine Anklage ausgereicht“, so der Jurist. „Das wäre völlig aussichtslos gewesen.“
Erst 14 Jahre später, am 25. August dieses Jahres, habe sich das geändert, als die inzwischen 56-Jährige erneut eine Polizeidienststelle aufsuchte und umfassend gestand. „Auch jetzt bestanden Zweifel an ihrer Aussage“, erklärt Rauscher. Doch als dann Anfang Oktober in Kadenzhofen tatsächlich Leichenteile entdeckt wurden, sei klar geworden: Die Frau sagt offenbar die Wahrheit. „Aufgelöst“ sei sie gewesen, verrät Rauscher. Immer wieder sei sie in ihren Vernehmungen in Tränen ausgebrochen. Mit dem Wissen, für den Tod von Kerstin Lee Langley mitverantwortlich zu sein, wollte sie nach insgesamt über 19 Jahren nicht mehr leben.