Gestörtes Haarwachstum
Haarausfall durch Stress: Was mit den Haaren bei Belastung passiert
Aktualisiert am 16.10.2026 – 07:21 UhrLesedauer: 4 Min.
Hinter Haarverlust kann in manchen Fällen Stress stecken. Warum Dauerstress Haarausfall begünstigt und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.
Plötzlich sind mehr Haare in der Bürste oder im Abflusssieb? Dann lohnt sich der Blick in die Vergangenheit. Waren die vergangenen Monate besonders stressig und belastend, kann das eine mögliche Ursache für den Haarverlust sein. Warum Stress Haarausfall fördern kann.
Mehr Haarausfall als sonst – wann muss man sich Sorgen machen?
Wie viele Haare ein Mensch täglich verliert, ist individuell verschieden. Die meisten wissen, wie viele lose Haare sie in der Bürste, im Abfluss der Dusche oder auf dem Kopfkissen finden. Werden es plötzlich mehr, sind viele besorgt: „Ist das normal oder habe ich Haarausfall?“ Ein täglicher Haarverlust von 50 bis 100 Haaren gilt als normal. Doch nicht die Menge allein ist ausschlaggebend. Aufmerksam werden sollte man, wenn plötzlich deutlich mehr Haare ausgehen als gewohnt. Der gesteigerte Haarausfall wird medizinisch Effluvium genannt.
Haarausfall-Ursachen: Was den Haaren zusetzt
Es gibt verschiedene Ursachen für Haarausfall, darunter:
- Genetische Faktoren: Anlagebedingter Haarausfall (androgenetische Alopezie) ist ein häufiger Auslöser für zunehmenden Haarverlust. Ausgeprägte Geheimratsecken, lichtes Deckhaar, zurückgezogener Haaransatz im Stirnbereich und der klassische Haarkranz sind Hinweise auf anlagebedingten Haarausfall.
- Nährstoffmangel: Die Haare brauchen Nährstoffe für das Wachstum. Fehlen diese, kann das Haarverlust begünstigen. Sind bei Frauen beispielsweise die Eisenspeicher leer, können vermehrt Haare ausgehen.
- Mangelernährung: Bei einer unzureichenden Ernährung, etwa bei einer Essstörung wie der Magersucht, fehlen dem Körper wichtige Nährstoffe für das Haarwachstum. Die Haardichte kann abnehmen.
- Hormonelle Einflüsse: Hormone wirken auf das Haarwachstum. So bemerken manche Menschen beispielsweise in der Pubertät, während und nach einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren, dass die Haare dünner werden.
- Erkrankungen: Bestimmte Erkrankungen, beispielsweise Schilddrüsenerkrankungen, können mit vermehrtem Haarverlust im Zusammenhang stehen.
- Erkrankungen der Kopfhaut: Bei Pilzerkrankungen, bakteriellen Infektionen sowie anderweitig verursachten Entzündungen der Kopfhaut können gegebenenfalls verstärkt Haare ausgehen.
- Medikamente und Therapien: Bei bestimmten Therapien, etwa Krebstherapien, können die Haare ausgehen. Auch einige Medikamente, die bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen Anwendung finden, können das Haarwachstum beeinträchtigen. Nach Absetzen bestimmter Medikamente, etwa oraler Verhütungsmittel („Pille“) oder Kortisontabletten, können Haare ebenfalls verstärkt ausfallen.
- Autoimmune Prozesse: Beim kreisrunden Haarausfall (Alopecia areata) beispielsweise wird ein fehlerhaftes Immunsystem als Ursache vermutet. Körpereigene Abwehrzellen greifen die Zellen der Haarwurzeln an. Es zeigen sich einzelne, runde kahle Stellen am Kopf.
- Mechanische Belastung der Haare: Lockenwickler, übermäßige Hitze, Haarbehandlungen und straff gebundene Zöpfe können dazu führen, dass vermehrt Haare abbrechen.
- Stress: In stressigen Lebensphasen mit starken körperlichen und psychischen Belastungen können die Haare in Mitleidenschaft gezogen werden.
Bei Stress zeigt sich diffuser Haarausfall
Bei stressbedingtem Haarausfall zeigt sich in der Regel das Bild eines diffusen Haarausfalls. Die Haare werden insgesamt lichter. Auf dem gesamten Kopf lösen sich vermehrt Haare aus der Kopfhaut. Da sich stressbedingter Haarausfall oft erst einige Monate nach der Belastungsphase zeigt, bringen viele Betroffene diesen nicht mit der vergangenen Mehrbelastung in Verbindung. Mediziner nennen dieses Phänomen Telogeneffluvium (reaktiven Haarausfall). Die gute Nachricht ist: Anders als beim anlagebedingten Haarausfall bildet sich diffuser Haarausfall in der Regel zurück, wenn der auslösende Faktor, also die Stressphase, überstanden ist.
Warum stressbedingter Haarausfall zeitversetzt auftritt
Stressbedingter, diffuser Haarausfall zeigt sich, bedingt durch den natürlichen Haarzyklus, meist erst einige Monate nach einer starken Belastung. Dann haben die Haare die verschiedenen Phasen durchlaufen:
- Wachstumsphase: In der Wachstumsphase teilen sich die Haarzellen. Das Haar wächst etwa einen Zentimeter pro Monat. Zu jedem Zeitpunkt befinden sich etwa 90 Prozent der Haare in der Wachstumsphase. Die Wachstumsphase kann mehrere Jahre andauern. Stress kann die Wachstumsphase der Haare stören. Dann können die Haare verfrüht in die Übergangsphase übergehen.
- Übergangsphase: In der Übergangsphase stoppt das Haarwachstum. Die Haarwurzel schrumpft und löst sich langsam aus dem Haarfollikel. Die Übergangsphase dauert zwei bis vier Wochen.
- Ruhephase: In der Ruhephase verbleibt das Haar noch eine Weile in der Kopfhaut. Am Ende dieser Phase fällt es beim Waschen oder Bürsten aus. Die Ruhephase kann mehrere Monate andauern. Ist das Haar ausgefallen, kann der Follikel mit der Produktion eines neuen Haares beginnen.
Was macht Stress mit den Haaren?
Stress beeinflusst die Haare auf verschiedene Weise. Zum einen können Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin auf den Lebenszyklus der Haare einwirken und zum Beispiel die Wachstumsphase verkürzen und viele Haarfollikel vorzeitig in die Ruhephase bringen.
Zum anderen können Stresshormone Entzündungsprozesse an den Haarwurzeln begünstigen, welche Haarverlust fördern. Auch das Nachwachsen der Haare kann gestört sein. Das Stresshormon Cortisol beispielsweise kann das Haarwachstum hemmen. Hinzu kommt, dass anhaltender Stress das Immunsystem schwächt – was unter Umständen ebenfalls Haarverlust begünstigen kann.