Gepfändete Pension
Ex-BND-Chef soll Scholz um Hilfe gebeten haben
08.10.2026 – 06:33 UhrLesedauer: 2 Min.
Der verhaftete ehemalige Chef des Bundesnachrichtendienstes, August Hanning, soll verschuldet sein. Hintergrund könnten Forderungen aus Lettland sein.
Der ehemalige BND-Präsident August Hanning, der wegen Spionageverdachts verhaftet wurde, soll große Schulden haben, und dies schon seit längerer Zeit. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sei sogar die Pension des ehemaligen Beamten gepfändet.
Die Bundesanwaltschaft wirft Hanning geheimdienstliche Agententätigkeit, landesverräterische Ausspähung, Auskundschaften von Staatsgeheimnissen und versuchten Landesverrat vor. Sein früherer Büroleiter beim Bundesnachrichtendienst, Manfred D., war bereits am Dienstag wegen Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung in U-Haft gekommen.
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Der Anwalt von Hanning räumte ein, dass sein Mandant im Besitz vertraulicher Unterlagen gewesen sei. „Unzutreffend ist allerdings der Vorwurf, er habe darin enthaltene Informationen zum Nachteil der Bundesrepublik Deutschland – geschweige denn gegen Bezahlung – weitergegeben“, teilte Rechtsanwalt Leon Kruse mit. „Mein Mandant wird zu Unrecht verfolgt.“ Zu möglichen Finanzproblemen gab es keine Stellungnahme.
Forderungen wegen Mandat bei lettischer Bank
Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, soll die Pleite der lettischen Bank PNB Banka Grund für die Finanznot sein. Bei dieser saß Hanning im Aufsichtsrat. Nach der Insolvenz wurden Hanning und weitere frühere Verantwortliche, darunter der ehemalige Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, auf Schadenersatz verklagt. Nach „Bild“-Angaben soll es bei Hanning um bis zu vier Millionen Euro gehen.
Der Insolvenzverwalter in Lettland warf früheren Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern vor, kurz vor dem Zusammenbruch Entscheidungen getroffen zu haben. Durch diese sei der frühere Eigentümer Grigory Guselnikov von Verbindlichkeiten gegenüber der Bank entlastet worden, ohne dass die Bank dafür eine angemessene Gegenleistung erhalten habe. Gegen neun frühere Verantwortliche, unter ihnen Hanning, wurde deshalb auf rund 32 Millionen Euro Schadenersatz geklagt.
Hanning habe am 6. Februar 2022 einen Brief an den damaligen Bundeskanzler Olaf Scholz geschrieben und um Hilfe gebeten, wie „Bild“ und „Der Spiegel“ berichteten. Der lettische Ministerpräsident Krišjānis Kariņš stand damals vor einem Besuch in Deutschland und der ehemalige Nachrichtendienstler soll den Kanzler gebeten haben, die Bank-Pleite und die Forderungen anzusprechen. Es gab aber keine Hilfe aus dem Kanzleramt, sagte Hanning später der „Bild“.
Der ehemalige deutsche Geheimdienstchef warf den lettischen Behörden vor, „rechtswidrige Vorgänge beim Aktionärswechsel und den Abfluss von mehr als 30 Millionen Euro gekannt oder gebilligt und Aufklärung verhindert zu haben“. Hanning hatte in einer Eingabe an lettische Behörden erklärt, dass es im Rahmen der Liquidierung der Bank zu Korruption und anderen Unregelmäßigkeiten gekommen sei. Das berichtete die lettische Zeitung „NRA“. Die Vorwürfe gegen ihn hat er zurückgewiesen.