Studie liefert Hinweise
ADHS und Demenz – hängt beides zusammen?
07.10.2026 – 17:08 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine neue Untersuchung legt nahe: Erwachsene mit ADHS haben womöglich ein höheres Risiko für geistigen Abbau im Alter. Die Erklärung könnte in den Genen liegen.
ADHS betrifft nicht nur Kinder, sondern wird auch bei Erwachsenen immer häufiger diagnostiziert. Bei ihnen zeigt sich die Störung allerdings oft weniger auffällig als bei Kindern. Typisch sind unter anderem Probleme mit Organisation, Konzentration und Terminen sowie impulsives Handeln. Die Hyperaktivität hingegen ist nicht unbedingt von außen zu beobachten, sondern äußert sich eher als innere Unruhe.
Für die Betroffenen kann ADHS dennoch eine enorme Belastung sein, erst recht ohne professionelle Unterstützung. Zudem tritt die Störung häufig gemeinsam mit anderen psychischen Erkrankungen auf, etwa mit Suchterkrankungen, Depressionen oder Angststörungen. Nun deutet eine Studie darauf hin, dass die Folgen möglicherweise noch weiter reichen: Erwachsene mit ADHS könnten im späteren Leben häufiger leichte kognitive Beeinträchtigungen oder eine Demenz entwickeln.
Hinweise auf den Zusammenhang gab es schon
Frühere Untersuchungen aus mehreren Ländern hatten bereits einen Zusammenhang zwischen ADHS und einem erhöhten Risiko für geistigen Abbau im Alter gefunden. Eine Schwäche dieser Studien war allerdings, dass sie sich meist auf Diagnosen aus Krankenakten stützten. Das kann die Ergebnisse verzerren: Menschen mit ADHS haben in vielen Fällen mehr Kontakt zum Gesundheitssystem als Nichtbetroffene – dadurch werden bei ihnen möglicherweise auch Gedächtnisprobleme oder eine Demenz früher oder häufiger erkannt.
Außerdem treten bei ADHS oft andere körperliche oder psychische Erkrankungen auf, die ihrerseits das Risiko für geistigen Abbau erhöhen könnten. Dadurch lässt sich schwer beurteilen, welchen Anteil ADHS selbst an dem Zusammenhang hat.
In der aktuellen Untersuchung wollten die Forscher solche Verzerrungen möglichst vermeiden. Deshalb betrachteten sie nicht nur die Diagnosen in den Krankenakten, sondern zusätzlich die genetische Veranlagung der Teilnehmer für ADHS. Darüber hinaus rechneten sie andere Einflussfaktoren wie Begleiterkrankungen, Bildung oder die Nutzung des Gesundheitssystems statistisch heraus.
Daten von rund 187.000 Menschen analysiert
Konkret nahm das Team Daten von 187.341 Teilnehmern des US-Forschungsprogramms „All of Us“ in den Blick. Alle waren beim Studieneintritt mindestens 50 Jahre alt, das Durchschnittsalter lag bei gut 56 Jahren. 3.026 Teilnehmer hatten eine dokumentierte ADHS-Diagnose. Im Mittel ließen sich ihre Gesundheitsdaten über rund zehn Jahre verfolgen.
Die Forscher suchten in dem Datensatz zum einen nach Demenzdiagnosen und zum anderen nach sogenannten leichten kognitiven Störungen. Damit sind merkliche Probleme etwa mit Gedächtnis oder Denkprozessen gemeint, die noch nicht das Ausmaß einer Demenz erreichen.
Während der Beobachtungszeit zeichnete sich ein deutlicher Unterschied zwischen Teilnehmern mit und ohne ADHS ab: 6,7 Prozent der von ADHS Betroffenen entwickelten eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz. Unter denjenigen ohne ADHS waren es nur 3,4 Prozent.
Auch nachdem die Forscher Unterschiede wie Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen berücksichtigt hatten, blieb der Zusammenhang deutlich: Bei Personen mit ADHS trat im Studienverlauf häufiger eine leichte kognitive Beeinträchtigung oder Demenz auf. Je mehr mögliche Einflussfaktoren die Forscher einrechneten, desto kleiner wurde der Unterschied – ganz verschwand er aber nicht.
Welche Rolle spielen die Gene?
Die Wissenschaftler untersuchten auch, ob sich der Zusammenhang in den Genen widerspiegelt. Dafür berechneten sie für jeden Teilnehmer, wie stark seine genetische Ausstattung mit ADHS in Verbindung steht. Das Ergebnis: Menschen mit einer besonders hohen genetischen Veranlagung für ADHS hatten ein um 35 Prozent höheres Risiko für spätere kognitive Beeinträchtigungen als Teilnehmer mit einer besonders niedrigen genetischen Veranlagung.