Analysten überrascht
Inflation im Euroraum schießt auf Drei-Jahres-Hoch
Aktualisiert am 02.10.2026 – 11:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Auf 3,8 Prozent ist die Inflation im Euroraum im September gestiegen. Deutlich mehr, als viele Experten erwartet hatten.
Die Verbraucherpreise im Euroraum sind im September deutlich stärker gestiegen als erwartet. Mit 3,8 Prozent erreichte die Teuerung den höchsten Stand seit drei Jahren – und erhöht den Druck auf die Europäische Zentralbank. Zuerst berichtete das „Handelsblatt“.
Das EU-Statistikamt Eurostat bestätigte am Freitag, was die Daten einzelner Mitgliedsländer bereits angedeutet hatten: Waren und Dienstleistungen im Euroraum verteuern sich derzeit schneller als angenommen. Im August hatte die Inflationsrate noch bei 3,2 Prozent gelegen.
Der Ball liegt bei der EZB
Der Sprung kam für viele Beobachter unerwartet. Vom Finanzdienst „Bloomberg „befragte Analysten hatten im Durchschnitt mit 3,5 Prozent gerechnet. Damit stellt sich für die EZB umso dringlicher die Frage, wie schnell sie die Leitzinsen weiter anheben muss.
Nach den Zinserhöhungen im Juni und im September könnte die Notenbank das Tempo verschärfen und bereits Ende Oktober nachlegen, statt bis Dezember zu warten. An den Finanzmärkten werden die jüngsten Äußerungen aus der EZB-Spitze allerdings anders gelesen – nämlich als Absage an eine Beschleunigung.
EZB-Direktorin: Müssen schauen, wie Wirtschaft reagiert
EZB-Direktorin Isabel Schnabel sagte am Mittwochabend in einer Rede in Luxemburg, die langfristigen Inflationserwartungen lägen weiterhin recht stabil „in der Nähe unseres Zwei-Prozent-Ziels“. Solange das so bleibe, könne die Geldpolitik geduldig vorgehen. Zwei Prozent gelten der Notenbank als Maß für Preisstabilität.
„Die kommenden Monate werden ein klareres Bild davon vermitteln, in welchem Ausmaß sich der aktuelle Preisdruck nach und nach in der Kerninflation und den Inflationserwartungen niederschlägt“, sagte Schnabel. Zudem werde sich zeigen, wie die Wirtschaft auf die bereits beschlossenen Zinserhöhungen reagiere.
Die Kerninflation lässt die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise außen vor. Für Ökonomen und Notenbanker ist sie deshalb ein wichtiger Hinweis darauf, wie breit der Preisdruck in der Wirtschaft tatsächlich angekommen ist.
Auch EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte am Montag gebremst. Bei einer Anhörung im EU-Parlament verwies sie auf die steigenden Anleiherenditen: Höhere Marktzinsen dämpften das Wachstum und begrenzten die Wirkung hoher Energiepreise auf die Inflation.