Schwere Zwangsarbeit und Krankheiten
Einige Gefangene hatten zuvor lange und traumatische Wege hinter sich. Männer aus der Kimberley-Region im Outback legten mehr als 2.000 Kilometer zurück, viele von ihnen hatten zuvor noch nie das Meer gesehen. Häufig wurden sie in Ketten transportiert, die Hals, Arme und Beine verbanden.
Das Leben auf der Insel war hart. Die Gefangenen mussten schwere Zwangsarbeit leisten und einen Großteil der Infrastruktur errichten – darunter Gebäude, Stege und Straßen. Das Gefängnis war überfüllt, Krankheiten verbreiteten sich schnell. Insgesamt wurden fast 4.000 indigene Männer und Jungen auf Wadjemup inhaftiert. 373 von ihnen starben dort. Die meisten wurden in unmarkierten Gräbern beerdigt.
Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Rufe nach einer Schließung der Haftanstalt lauter. Gleichzeitig entdeckten immer mehr Menschen die Insel als Erholungsort. 1902 wurde das Gefängnis nach 93 Jahren geschlossen und die Insel begann, sich in ein Touristenziel zu verwandeln.
Campingplatz direkt auf Grabstellen errichtet
Bereits 1911 wurde der ehemalige Zellentrakt zu Ferienunterkünften umgebaut. Besucher übernachteten nun dort, wo einst Gefangene gelebt hatten und gestorben waren. Noch problematischer war jedoch ein anderes Kapitel: Das Gelände mit den unmarkierten Gräbern der verstorbenen Gefangenen wurde zu einem Campingplatz namens „Tentland“.
Fast 90 Jahre lang schliefen dort Urlauber direkt auf einem der größten indigenen Begräbnisplätze Australiens. Obwohl schon Jahrzehnte zuvor menschliche Überreste entdeckt worden waren, wurde der Campingplatz erst 2007 geschlossen. 2018 endete die Nutzung des ehemaligen Gefängnisses als Ferienanlage.
Heute gibt es auf Rottnest Island weiterhin Campingmöglichkeiten, allerdings nicht mehr auf dem früheren Gräberfeld. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein für die Geschichte des Ortes.
2020 startete die Rottnest Island Authority das sogenannte Wadjemup-Projekt. Ziel ist es, die Geschichte der Inhaftierung und der Todesfälle indigener Gefangener offiziell durch Aufarbeitung, Gedenkstätten und kulturelle Zeremonien anzuerkennen. Dazu gehören die Würdigung der Grabstätten, der Erhalt des historischen Gefängnisses und Veranstaltungen zur Erinnerung und Heilung.