Harter Sanierungskurs
Traditionsbrauerei streicht mehr als jeden zweiten Job
Aktualisiert am 30.08.2026 – 20:57 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Aktienbrauerei Kaufbeuren kann trotz ihrer Insolvenz weiterproduzieren. Für die Belegschaft hat die Sanierung jedoch einen hohen Preis.
Die insolvente Aktienbrauerei Kaufbeuren hat ihren Braustandort im Allgäu vorerst gesichert. Aber: Von den bislang 84 Stellen sollen mehr als die Hälfte wegfallen. Das Insolvenzverfahren über die operative ABK Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH wurde am 28. August 2026 in Eigenverwaltung eröffnet.
Grundlage für den Weiterbetrieb ist ein Sanierungskonzept, dem der bisherige Mehrheitsgesellschafter, die ROKiT-Gruppe, zugestimmt hat. Die dafür nötigen Mittel seien bereitgestellt worden, teilte das Unternehmen mit.
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Bereits Mitte Juni hatte das Amtsgericht Aalen die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Sanierungsgeschäftsführer Volker P. Zimmerer nannte damals im Gespräch mit der Zeitung „Kreisbote“ eine im Branchenvergleich zu große Belegschaft und zu hohe Personalkosten als zentrale Ursachen. Als weitere Gründe führte er den sinkenden Bierabsatz, gestiegene Rohstoffpreise, einen Investitionsstau und verpasste Produkttrends an.
Nur 38 Stellen bleiben
Von den bislang 84 Beschäftigten sollen künftig nur noch 38 am Standort Kaufbeuren arbeiten. Damit fallen 46 Stellen und mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze weg. Den Betroffenen soll nach Angaben des Unternehmens der Wechsel in eine Transfergesellschaft ermöglicht werden.

Sanierungsgeschäftsführer Zimmerer bleibt im Amt und führt die Geschäfte weiter. Der gerichtlich bestellte Sachwalter Olaf Spiekermann überwacht das Verfahren. „Ohne die erforderlichen Mittel hätten wir das Unternehmen nun stilllegen müssen“, sagte Zimmerer.
Produktion läuft weiter
Der Braubetrieb soll nach Angaben des Unternehmens im bisherigen Umfang fortgeführt werden. Auch die Produktpalette aus Bieren, Weinmischgetränken und Limonaden soll erhalten bleiben. Einen Teil der Belieferung von Gaststätten, Veranstaltungen und Handelskunden will die Brauerei künftig an bestehende Geschäfts- und Handelspartner übertragen.
Die Branche steht generell unter Druck. Der Bierabsatz der deutschen Brauereien und Bierlager ist 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamts um sechs Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter gesunken. Das ist der stärkste Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 1993. Die Zahl der Brauereien sank binnen eines Jahres um 53 auf 1.415.
Die Wurzeln der Aktienbrauerei reichen nach Unternehmensangaben bis ins Jahr 1308 zurück. Sie gilt als letzte Vertreterin der jahrhundertealten Kaufbeurer Brautradition.