Fast 400 vermisste Reisende
Sturzflut in Nepal: Warum sind so viele Touristen vor Ort?
26.08.2026 – 17:00 UhrLesedauer: 3 Min.
Trauer in Nepal. Zu einer Zeit, in der hier große hinduistische Feste begangen werden, hat eine Sturzflut Todesopfer gefordert.
In Nepal hat eine Sturzflut entlang des Flusses Bhotekoshi verheerende Schäden angerichtet und viele Todesopfer gefordert. Es werden fast 400 Touristen vermisst. Warum befinden sich zurzeit so viele Reisende in der Gegend? Ihr Ziel sind ein heiliges Festival und die Wallfahrt zu einem sagenumwobenen See.
Fest: Was wird bei Janai Purnima gefeiert?
Auf mehr als 4.000 Metern Höhe, umgeben von den Gipfeln des Himalaja, zieht ein Bergsee in Nepal jedes Jahr Tausende Menschen an. Besonders rund um das hinduistische Fest Janai Purnima machen sich Gläubige auf den beschwerlichen Weg zum Gosaikunda-See im Langtang-Nationalpark. Auch für Touristen bietet sich dabei die Gelegenheit, eines der bedeutendsten religiösen Feste Nepals aus nächster Nähe zu erleben.
Janai Purnima ist ein Vollmondfest und wird in ganz Nepal gefeiert. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Janai, eine heilige Schnur, die hinduistische Männer bestimmter Gemeinschaften traditionell über dem Oberkörper tragen. Während des Festes wird sie nach einem rituellen Bad erneuert. Priester binden Gläubigen zudem geweihte Schutzfäden um das Handgelenk.
Das Fest ist zugleich mit weiteren religiösen Traditionen verbunden. Schamanen aus verschiedenen Teilen Nepals kommen an heiligen Orten zusammen und führen alte Rituale durch. Einer der bedeutendsten Schauplätze dafür ist Gosaikunda.

Ein heiliger See auf 4.380 Metern
Der Gosaikunda-See liegt nordwestlich der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu auf rund 4.380 Metern Höhe im Langtang-Nationalpark. Er gehört zu einer ganzen Gruppe von Hochgebirgsseen und ist für Hindus ein wichtiger Wallfahrtsort.
Seine religiöse Bedeutung geht auf eine hinduistische Legende zurück. Demnach trank der Gott Shiva einst ein tödliches Gift, um die Welt vor der Vernichtung zu bewahren. Das Gift verursachte ein unerträgliches Brennen in seinem Hals. Shiva schlug daraufhin seinen Dreizack in den Fels. Aus dem Berg schoss Wasser hervor und sammelte sich zu dem See, in dessen kaltem Wasser Shiva Linderung fand.
Bis heute glauben viele Gläubige an die reinigende Kraft des Wassers. Zu Janai Purnima steigen deshalb Tausende Pilger hinauf und nehmen ein rituelles Bad im eiskalten Gosaikunda. Das Bad soll von Sünden reinigen.
Pilgerreise wird zum Erlebnis für Touristen

Auch Touristen können die Wallfahrt miterleben. Die Tour zum Gosaikunda ist allerdings kein gewöhnlicher Ausflug. Von Kathmandu geht es zunächst auf der Straße nach Dhunche im Distrikt Rasuwa. Von dort müssen Besucher zu Fuß weiter. Nach Angaben des Nepal Tourism Board dauert allein der Aufstieg zum See je nach Kondition ein bis zwei Tage.