Krise am Rhein
Droht jetzt der Verkehrskollaps auf den Autobahnen?
06.08.2026 – 13:05 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Pegelstände im Rhein fallen immer weiter, die Binnenschifffahrt droht zum Erliegen zu kommen. Der Verkehrsminister erwägt daher, mehr Lkw und Güterzüge zu mobilisieren. Kann das klappen?
Die Lage am Rhein ist nach wochenlanger Hitze und Dürre extrem angespannt. Bei Kaub fiel der Wasserstand am Mittwoch auf 19 Zentimeter, ein neuer Rekordtiefstand. In Mannheim hat der Pegelwert den bisherigen Tiefststand von 85 Zentimetern am Montag um drei Zentimeter unterschritten und nun wieder erreicht. An weiteren Pegeln, etwa in Mainz, Bingen, Andernach und Remagen, bewegen sich die aktuellen Wasserstände nahe den jeweiligen Tiefstwerten.
Deutsche Wirtschaft schlägt wegen Rhein-Dürre Alarm
Für die deutsche Wirtschaft ist das ein enormes Problem. Allein auf dem Rhein werden jedes Jahr fast 150 Millionen Tonnen an Waren und Gütern transportiert, das sind umgerechnet 400.000 Tonnen pro Tag. Durch das Niedrigwasser kann zurzeit deutlich weniger transportiert werden, die Schiffe können nicht voll beladen werden. Händlern zufolge sind deshalb auch die Kosten für den Transport mit Tanker- und Binnenschiffen von Rotterdam nach Karlsruhe zuletzt auf rund 150 bis 160 Euro pro Tonne gestiegen, verglichen mit 45 Euro Ende Juni. Schon vor Wochen schlugen Reeder deshalb Alarm, „so was habe ich noch nie gesehen“, sagte einer von ihnen zu t-online.
Entscheidend ist aber nicht nur die Menge, sondern vor allem die Güterart, die auf diesem Wege transportiert wird: sogenannte trockene Massengüter (das sind Erze, Kohle, Steine und Erden) und flüssige Massengüter wie Ölerzeugnisse und Chemikalien werden auf den deutschen Wasserstraßen transportiert. Diese beiden Warenarten machten 2025 über die Hälfte des gesamten Transportaufkommens im Binnenschiffsverkehr aus.
Wichtige deutsche Industriezweige sind also auf die Wasserstraßen angewiesen, um ihre Produktion überhaupt aufrechterhalten zu können. Allein BASF fertigt 40 Prozent seiner Vorprodukte auf dem Rhein ab – und warnt jetzt vor Produktionskürzungen, sollte das Niedrigwasser anhalten. Laut Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des DSLV Bundesverband Spedition und Logistik, büßt die Binnenschifffahrt derzeit bis zu 80 Prozent ihres Leistungsvolumens ein.
Verkehrsminister erwägt Aufhebung von Sonntagsfahrverboten
Über den Umgang mit dem extremen Niedrigwasser des Rheins und anderer Wasserstraßen sprechen heute in Bonn Wirtschaftsverbände mit dem neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Im Vorfeld hatte er zu „Bild“ gesagt, dass man unter anderem eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lkw prüfe, um so mehr Produkte auf dem Straßenweg zu transportieren. Auch eine Verlagerung auf die Schiene wird untersucht, so Bilger.
Ob das allerdings sinnvoll ist und überhaupt funktionieren kann, daran gibt es große Zweifel. Dazu muss man sich nur vergegenwärtigen, wie viele Tonnen ein einzelnes Binnenschiff transportieren kann: Ein durchschnittliches Binnenschiff kann 2.000 Tonnen laden und ersetzt nach Branchenangaben 100 bis 150 Lkw. Große Schiffe auf dem Rhein können sogar bis zu 7.000 Tonnen transportieren, das entspricht 280 Lastwagen. Der Zentralkommission für Rheinschifffahrt zufolge verkehren täglich rund 400 Schiffe auf dem Rhein. Würde man dieses Volumen auf die Straße verlegen, entspräche das mindestens 40.000 Lkw. „Weder die Schiene noch die Straße kann das Transportvolumen der Binnenschifffahrt auffangen“, so Frank Huster.










