Technik vorhanden – Einführung dauert zu lange
Grundsätzlich seien geeignete Technologien zur Drohnenerkennung bereits verfügbar. Radar-, Laser-, Kamera- und Infrarotsysteme könnten miteinander kombiniert werden, um Drohnen möglichst früh zu entdecken, erklärte der Experte Fricke. Mithilfe von Algorithmen lasse sich zudem ihre Flugbahn vorhersagen.
„Die Entwicklungen gehen auf prototypischer Ebene gut voran, aber die Implementierung am Markt beziehungsweise in den Einrichtungen muss schneller werden“, sagte Fricke. Aus Sicht Frickes sollten neue Systeme schneller aus der Forschung in die praktische Anwendung gelangen. Nicht alle Funktionen müssten dabei von Anfang an verfügbar sein. Stattdessen plädierte er für ein „gestaffeltes Implementieren“ neuer Technologien.
Als eine der größten technischen Herausforderungen bezeichnete Fricke die Vorhersage der Flugbahn einer bereits entdeckten Drohne. Gerade diese Fähigkeit sei entscheidend, um Sicherheitskräfte rechtzeitig reagieren zu lassen.
Mit Blick auf die weitere Entwicklung zeigte sich der Luftverkehrsexperte wenig optimistisch. Auf die Frage, ob künftig häufiger mit vergleichbaren Vorfällen zu rechnen sei, antwortete er: „Leider ja, solange die Russland-Aggression nicht stoppt.“
Kiesewetter: Von Russland aus gesteuert
Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter forderte die Bundesregierung auf, die Nato-Bündnispartner nach Artikel 4 des Nordatlantikvertrags zu konsultieren. „Deutschland sollte zumindest Artikel-4-Konsultationen in der Nato anstrengen“, sagte Kiesewetter der „Augsburger Allgemeinen“. Denn die Zunahme hybrider Angriffe und das „Austesten aus Russland“ führe „immer mehr zu einer Gewöhnung und damit Unterminierung unserer Sicherheit“.
Artikel 4 des Nato-Vertrags erlaubt es jedem Mitgliedsland, Konsultationen mit den Bündnispartnern zu verlangen, wenn es seine territoriale Unversehrtheit bedroht sieht. Es gilt als Vorstufe zum Bündnisfall nach Artikel 5.
Auch Kiesewetter vermutet Russland hinter der mit Sprengstoff versehenen Drohne, die am Leipziger Flughafen gefunden wurde. „Die Bedrohung für Deutschland durch von Russland gesteuerte hybride Angriffe halte ich für gravierend“, sagte der CDU-Politiker. „Auch bei dem versuchten Drohnenangriff am Leipziger Flughafen gehe ich von einem gezielten hybriden Angriff, also einem versuchten Terrorakt, gesteuert von Russland aus.“
Das Problem sei auch, dass Deutschland kaum auf solche Angriffe vorbereitet sei. Die Bundesrepublik sei „besonders vulnerabel, weil wir auf das moderne Bedrohungsbild und hybride Angriffsvektoren bislang kaum aufgestellt sind“. Das mache es Russland besonders einfach.
Moskau habe seine hybride und kognitive Kriegsführung verstärkt, „und Deutschland ist im Mittelpunkt solcher Angriffe“. Das liege einerseits daran, „dass Deutschland eine zentrale Logistikdrehscheibe der Nato und für die Unterstützung der Ukraine ist“, sagte Kiesewetter. Es stelle sich auch die Frage, wie die EU und die Nato auf die Zunahme an hybriden Angriffen und das permanente Austesten der Nato-Grenzen reagieren solle.











