Die Deutsche Bahn macht mit enorm guten Zahlen von sich reden. Und der Bundeskanzler entlässt den für dieses Wunder zuständigen Verkehrsminister. Was hat Merz da bloß geritten?
Man muss sich die Augen reiben und die Meldungen zwei bis dreimal lesen: Die Deutsche Bahn hat ihr Ergebnis innerhalb eines Jahres um fast eine Milliarde Euro verbessert, von 760 Millionen Euro Miesen im ersten Halbjahr 2025 auf fast 150 Millionen Euro Gewinn in diesem ersten Halbjahr.
Das ist die beste Nachricht seit Langem – und stellt eine Frage noch mal lauter, die schon bis zu dieser Bilanz unbeantwortet blieb: Warum um alles in der Welt hat Bundeskanzler Friedrich Merz den für die Bahn zuständigen Verkehrsminister Patrick Schnieder als Minister aus dem Kabinett geworfen beziehungsweise zum Rücktritt genötigt – und mit diesem Vorgang nicht nur die rheinland-pfälzische CDU, sondern die gesamte Partei angezündet?
Die Antwort darauf bleibt Merz stur schuldig, intern wie öffentlich. Aber mit oder ohne Antwort: Friedrich Merz hat als Reformkanzler just in dem Moment den Rückhalt in seiner Partei verspielt, in dem er ihn dringend bräuchte.
Weitere Nackenschläge kommen unweigerlich
Weil weite Teile der deutschen Wirtschaft (BMW, VW, Porsche) abgesehen vom Hoffnungsschimmer bei der Deutschen Bahn weiter in freiem Fall sind, wären massive Strukturreformen dringend vonnöten. Das geht aber nur aus einer Position der Stärke. Merz war schon vor seinem Personalfiasko nicht sonderlich stark, jetzt steht auch noch seine Partei in weiten Teilen gegen ihn.
Die Landtagswahlen im September in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt werden der gebeutelten CDU weitere Nackenschläge bescheren. Und im April kommenden Jahres wird in Nordrhein-Westfalen gewählt, wo die CDU mit Hendrik Wüst ihren Hoffnungsträger als Ministerpräsident stellt. Die Partei wird nicht tatenlos zusehen, dass dieses Bundesland auch noch verloren geht. Es könnte daher gut sein, dass Friedrich Merz Weihnachten nicht mehr als Bundeskanzler erlebt.









