Das drittlängste Korallenriff der Erde haben Urlauber in Fidschi fast für sich allein. Eine Familie zeigt dort, wie regenerativer Tourismus funktionieren kann.
Aus Vanua Levu, Fidschi, berichtet Anna-Lena Janzen
Das Great Sea Reef, das die Einheimischen in Fidschi „Cakaulevu“ (großes Riff) oder „Bainivualiku“ (Beschützer des Nordens) nennen, erstreckt sich über mehr als 200 Kilometer entlang der Nordküste von Vanua Levu bis zu den westlichen Yasawa-Inseln. Es ist das drittlängste Barriereriff-System der Erde.
Die Region im Südpazifik ist ein Geheimtipp für Urlauber. Anders als das Great Barrier Reef in Australien, das jährlich Millionen von Touristen anzieht, ist das Great Sea Reef touristisch kaum erschlossen. Wer die Nordküste Vanua Levus besucht, findet keinen Massentourismus, keine riesigen Hotelkomplexe. Die bunten Korallengärten haben Taucher und Schnorchler fast allein für sich.


„Das Meer ist unser Leben“, sagt Leone Vokai. Der Tauchlehrer kennt das Riff so gut wie kaum ein anderer. Er ist auf Mali aufgewachsen, einer kleinen Insel in der Provinz Macuata im Norden Vanua Levus. Als Kind hat er am Cakaulevu schwimmen gelernt und ist mit den Geschichten der Ältesten über das Riff aufgewachsen. Nicht alle davon sind wahr. Er erzählt etwa von einer Überlieferung, nach der Mantarochen Schwimmer umklammern und in die Tiefe ziehen – eine alte Legende unter Fischern. Als Taucher weiß man: Die riesigen Filterfresser sind gänzlich harmlos. Sie haben keine Zähne, keinen Giftstachel, sind neugierig und intelligent, aber auch schreckhaft.
Vokai sieht es als seine Aufgabe, sein Wissen an jüngere Generationen zu vermitteln. Er ist Inhaber von Great Sea Reef Divers, der einzigen Tauchbasis mit direktem Zugang zum Cakaulevu. Sie liegt auf Nukubati – einer kleinen Privatinsel, die auch ein Luxusresort beherbergt. Geleitet wird es von seiner Frau Lara Meliki Vokai. Gemeinsam engagieren sie sich für den Umweltschutz, fungieren als Botschafter von Initiativen zum Erhalt des Riffs. „Es geht mir nicht nur darum, Besuchern das Riff zu zeigen. Ich möchte es für kommende Generationen schützen“, sagt Leone.
Das Riff ist Lebensraum für zahlreiche seltene Arten, steht heute jedoch massiv unter Druck: Plastikmüll aus den Städten, Überfischung und die Folgen des menschengemachten Klimawandels bedrohen das sensible Ökosystem. Für die Bevölkerung Fidschis ist ein intaktes Riff existenziell. Es schützt die Küsten vor Sturmfluten und Strömungen, sichert die Ernährung der umliegenden Dörfer und erwirtschaftet allein durch die lokale Fischerei jährlich zwischen sechs und acht Millionen US-Dollar.










