Das soll aus ihr werden
DDR-Geisterinsel für 60.000 Euro versteigert
Aktualisiert am 04.06.2026 – 16:14 UhrLesedauer: 2 Min.
Sie diente einst dazu, Marineschiffe vor Magnetminen zu schützen. Nun ist die Plattform „Ostervilm“ versteigert worden.
Ein ungewöhnliches Relikt aus DDR-Zeiten ist unter den Hammer gekommen. Die frühere Entmagnetisierungsstation „Insel Ostervilm“ im Greifswalder Bodden wurde bei der Sommerauktion der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG (NDGA) versteigert. Das Mindestgebot lag bei 39.000 Euro, nach 20 Geboten gab es den Zuschlag für 60.000 Euro.
Neue Eigentümer planen Kultur- und Veranstaltungsort
Den Zuschlag erhielt das österreichische Unternehmen McCube, das auf modulare Fertighäuser spezialisiert ist. Der Chef des Unternehmens, Oliver Pesendorfer, sagte, er könne sich vorstellen, die zwischen der Halbinsel Reddevitz und der Insel Vilm im Greifswalder Bodden liegende künstliche Insel als Kultur- und Veranstaltungsort zu nutzen. Auch die Ausrichtung von Hochzeiten auf der 250 Quadratmeter großen Plattform sei möglich.
Trotz ihres maroden Zustands hatte die außergewöhnliche Immobilie vor der Auktion große mediale Aufmerksamkeit erregt – und der Norddeutschen Grundstücksauktionen AG entsprechend Arbeit gemacht. „Wir haben täglich Telefonate aus ganz Deutschland geführt – mit Dutzenden, wahrscheinlich sogar mehreren Hundert Interessierten, die neugierig waren“, sagte Vorstand Kai Rocholl.
Eigentlich wollte Pesendorfer die Insel allein ersteigern, hatte sich dann nach eigenen Angaben aber mit einem weiteren Bieter zusammengetan. Beide hätten sich erst kurz vor der Auktion kennengelernt und spontan darauf verständigt, gemeinsam für die Insel zu bieten.
Bei dem Objekt handelt es sich um einen der außergewöhnlichsten, sogenannten Lost Places in Vorpommern. Die Anlage ist ausschließlich per Boot erreichbar.
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Marineschiffe vor Magnetminen schützen
Die Plattform wurde den Angaben zufolge um 1954 von der NVA-Marine Lauterbach errichtet und steht auf rund 600 Holzpfählen. Der Bodden ist hier etwa zehn Meter tief. Zu DDR-Zeiten diente die Anlage dazu, Marineschiffe mithilfe einer Kabelschleife im Meer vor Magnetminen zu schützen. Auf der Plattform befanden sich einst ein Wohn- und ein Maschinenhaus.
Der Zustand der Anlage gilt inzwischen als stark sanierungsbedürftig. Im Katalog ist von Setzungsrissen, verrosteten Stahlteilen, zerstörten Fenstern sowie Schäden durch Witterung, Vogelkot und Vandalismus die Rede. Auch Algenbewuchs wird erwähnt. Eine Besichtigung ist aufgrund des Zustands nicht möglich.
Die Gesamtfläche von Land- und Wasserbereich beträgt rund 710 Quadratmeter. Dafür besteht ein Nutzungsvertrag mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Stralsund, das jährliche Entgelt liegt bei etwa 75 Euro. Die nutzbare Fläche wird mit rund 250 Quadratmetern angegeben. Zudem befindet sich auf der Insel eine frei stehende Keramikglocke des Architekten Gerhard Benz, die separat erworben werden kann.
Zuletzt gehörte die Anlage Künstler Gerhard Benz und dem Maschinenbauingenieur Peer Wenmakers. Sie verfolgten Pläne für einen Kunst- und Kulturort, scheiterten jedoch an rechtlichen Vorgaben, hohen Kosten und logistischen Herausforderungen. Eine öffentliche oder gewerbliche Nutzung sei nicht umsetzbar gewesen, heißt es in der „Ostsee Zeitung“.











