2. Stammstrecke
Dieser Mega-Bohrer frisst sich durch Münchens Untergrund
21.05.2026 – 16:11 UhrLesedauer: 2 Min.
Die erste Maschine für die zweite S-Bahn-Stammstrecke ist fertig und übergeben. Ab September kommt sie im Münchner Untergrund zum Einsatz.
Die Deutsche Bahn (DB) hat die erste Tunnelbohrmaschine für die zweite Münchner S-Bahn-Stammstrecke vom Hersteller im baden-württembergischen Schwanau übernommen. Nach Angaben der DB ist die Spezialmaschine rund 178 Meter lang, etwa 700 Tonnen schwer und hat einen Durchmesser von fünf Metern.
Die Maschine soll in Einzelteile zerlegt, nach München transportiert und dort wieder zusammengebaut werden. Ab September soll sie im Einsatz sein und nach DB-Angaben im Schnitt acht Meter pro Tag vorankommen.
Eigens konstruierter Riesen-Bohrer
Die Deutsche Bahn ließ die Maschine eigens für den Münchner Untergrund entwickeln. Die Röhren der zweiten Stammstrecke sollen in mehr als 40 Metern Tiefe unter dem Grundwasserspiegel verlaufen – teils knapp unter bestehenden S- und U-Bahn-Linien.

DB-Projektleiter Kai Kruschinski beschrieb die Funktionsweise so: „Man kann sich die Maschine vorstellen wie einen Maulwurf mit eigenem Betonwerk im Rucksack. Vorne frisst und schneidet sie sich mit dem rotierenden Bohrkopf durch Erde und Gestein und schickt das alles über ein Förderband nach hinten. Dort setzt die Maschine die fertigen Betonelemente, die sogenannten Tübbinge, ein. So entsteht der Tunnel direkt im Vorbeifahren, wie bei einer fahrenden Fabrik.“
Im Bohrkopf werde das Erdreich mit einer Stützflüssigkeit vermischt, um den Druck im Untergrund zu steuern; so könnten Setzungen an der Oberfläche minimiert werden, teilte die Deutsche Bahn mit.
Bekommt München ein „Bohrer McBohrface“?
Ab Sommer sollen Münchnerinnen und Münchner nach Angaben der DB Namensvorschläge für die Maschine einreichen und anschließend online abstimmen können. Details, wie etwa die genaue Vergabe des Namens, nannte die DB noch nicht. Ähnliche Abstimmungen führten zu mitunter abstrusen Namen: 2013 etwa wurde ein neues Forschungsschiff von der britischen Bevölkerung auf den Namen „Boaty McBoatface“ getauft. Folgt man dieser Logik, könnte der Name für den Bohrer in München „Bohrer McBohrface“ lauten.
Die zweite Stammstrecke soll nach Angaben der Deutschen Bahn das Nadelöhr der ersten Stammstrecke entlasten. Auf der ersten Stammstrecke fahren laut DB täglich 850.000 bis knapp eine Million Menschen – mehr als im gesamten DB-Fernverkehr bundesweit. Die Bahn bezeichnet sie als die am dichtesten befahrene zweigleisige Eisenbahnstrecke Europas.
Insgesamt sind nach DB-Angaben zwei eingleisige Verkehrstunnel sowie ein Erkundungs- und Rettungstunnel geplant, jeweils sieben Kilometer lang – zusammen 21 Kilometer, gebaut von sechs Tunnelbohrmaschinen. Den Vortrieb für den ersten Verkehrstunnel plant die DB nach eigenen Angaben voraussichtlich für 2028 – dann mit einer Maschine mit einem Durchmesser von 8,5 Metern. Wann die zweite Stammstrecke in Betrieb gehen soll, hat die Deutsche Bahn nicht mitgeteilt.











