Er protestierte gegen Merz
Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg ist tot
12.05.2026 – 17:31 UhrLesedauer: 2 Min.
Albrecht Weinberg überlebte drei Konzentrationslager. Nach 1945 wurde er zu einem wichtigen Zeitzeugen des Holocaust. Aufsehen erregte er bis zuletzt, etwa mit seinem Protest gegen ein umstrittenes Manöver von Friedrich Merz.
Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist im Alter von 101 Jahren gestorben. Er hatte erst im März mit Hunderten Gästen in Leer seinen 101. Geburtstag und gleichzeitig die Premiere des Dokumentarfilms über sein Leben „Es ist immer in meinem Kopf“ gefeiert. Weinberg starb am Dienstag in ostfriesischen Leer, wie die Stadt mitteilte. Zunächst hatte die „Ostfriesenzeitung“ darüber berichtet.
Weinberg überlebte die drei Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora im Harz und Bergen-Belsen nahe Celle sowie mehrere Todesmärsche. Seine jüdische Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. 2012 kehrte er zusammen mit seiner Schwester aus den USA zurück in seine ostfriesische Heimat. Seitdem ging er auch in Schulen und berichtete von dem größten Menschheitsverbrechen. Der Holocaust-Überlebende trat bis zu seinem Tod unermüdlich gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ein.
Seine Überzeugung war klar: „Wenn einer Hetzreden hält. Nicht umdrehen und weglaufen“, so Weinberg. „Gib ihm Kontra. Open your mouth.“
Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst würdigte Weinberg in einer Mitteilung: „Seit seiner Rückkehr aus New York in seine ostfriesische Heimat vor 14 Jahren hat Albrecht unermüdlich und mit einer unvorstellbaren Energie von seinen schrecklichen Erlebnissen während des Nationalsozialismus berichtet und immer wieder vor dem Vergessen gewarnt“, schrieb der Bürgermeister.
Für die Stadt Leer sei der Tod Weinbergs ein großer Verlust. Als Kind sei Weinberg mit seiner Familie auf Weisung der Nazis unter anderem durch Leer zur Viehhalle getrieben worden, wie die Stadt weiter mitteilte. Angeordnet worden sei das in dem Rathaus, in dem der Holocaust-Überlebende dann viele Jahrzehnte später die Ehrenbürgerwürde in Empfang nehmen sollte.
Bundesverdienstkreuz aus Protest Merz zurückgegeben
Zum 100. Geburtstag im vergangenen Jahr hatte auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Weinberg gratuliert und dem gebürtigen Rhauderfehner in einer Grußbotschaft gedankt. „Ihre Geschichte ist eine Mahnung für uns nachfolgende Generationen. Ihr unermüdliches Engagement darin, Schülerinnen und Schüler über die Vergangenheit aufzuklären, hat mich bereits zu Beginn meiner Amtszeit beeindruckt“, schrieb Steinmeier in einer Mitteilung des Bundespräsidialamtes.












