Kein Lebenszeichen
Der Walsturz – das traurige Ende für Timmy
05.05.2026 – 14:35 UhrLesedauer: 4 Min.

Der Streit über Wal Timmy wird zum Informationskrimi zwischen Aktivisten, Ministerium und Experten. Eine versprochene Ortung bleibt aus. Das Worst-Case-Szenario wird immer wahrscheinlicher.
Denn der GPS-Sender, den die private Initiative an dem Wal angebracht haben will, liefert keine Daten. Damit bleibt offen, ob die umstrittene Freilassung dem Tier geholfen hat oder ob Wal Timmy längst auf dem Grund der Nordsee liegt.
Zweifel daran, ob der Tracker überhaupt angebracht wurde, schüren die Aktivisten selbst. Die private Initiative hinter der Aktion erklärte, dieser liefere keine Ortungsdaten, sondern Vitalwerte des Wals. Genau diese Darstellung wird jedoch von Fachleuten massiv infrage gestellt.
Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) teilte mit, ein GPS- oder Satellitentracker liefere üblicherweise keine Vitaldaten im medizinischen Sinne. Dafür sei spezielle Sensorik notwendig. Der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus widersprach noch deutlicher. „Es gibt keinen handelsüblichen GPS-Sender, der Vitaldaten des Wals liefern kann – wer das behauptet, sagt nicht die Wahrheit“, sagte er. Auch Experten von Greenpeace betonten: Ein GPS-Tracker könne gar keine Vitaldaten erfassen oder übermitteln.
Fehlende Daten kritisierte aber auch ein anderer Verantwortlicher: Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD). Er wirft den Aktivisten Wortbruch vor: Dem Ministerium sei zugesichert worden, dass an Wal Timmy ein Peilsender angebracht werde und seine Daten an das Ministerium übermittelt würden. Doch diese fehlen bis heute.
Dass der Wal-Transport zu einer Blackbox werde, haben schon zahlreiche Experten im Vorfeld kritisiert. Der Meeresbiologe und Walforscher Fabian Ritter forderte im Gespräch mit t-online: „Die Daten des Senders müssen öffentlich gemacht werden, um den Weg des Wals nach einer möglichen Freilassung nachvollziehen zu können.“
Die Entscheidung der Initiative, die Standortdaten des Wals nicht der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, weil man „keinen Wal-Tourismus“ wolle und der „Wal seine Ruhe haben soll“, sieht Ritter äußerst kritisch und verweist auf die Widersprüche im Vorgehen der Aktivisten. „Plötzlich braucht der Wal also seine Ruhe, nachdem sie zwei Wochen lang mit jedem zur Verfügung stehenden Wasserfahrzeug ganz nah an ihm herumgeschippert sind“, kommentiert er. „Das ist sehr zynisch.“











