Spahn und Miersch sind beide schwul. Doch ist sein Privatleben für Spahn überhaupt nicht politisch. Im „Zeit“-Doppelinterview hielt er fest: „Ich habe gar kein Problem damit, dass die Gesellschaft da offen ist, es kann sich auch jeder queer nennen. Im Gegenteil, ich bin sehr liberal, was das Private angeht. Ich halte aber nichts von der Verknüpfung mit politischer Ideologie.“
Friedrich Merz schlug Jens Spahn im Vorjahr als seinen Nachfolger an der Spitze der Bundestagsfraktion vor. Die Kür überraschte. Spahn gilt als ambitioniert. Viele hätten erwartet, dass Merz den jungen Aufsteiger in die Kabinettsdisziplin einbindet.
Merz wird im Mai 2025 erst im zweiten Wahlgang zum Kanzler gewählt. Woher die fehlenden Stimmen kamen, bleibt bis heute unklar. An Spahn als Fraktionschef zumindest blieb weit über den Tag hinaus nichts hängen.
Kurz darauf aber bringt eine Frau Spahn mächtig in Bedrängnis: Frauke Brosius-Gersdorf, Jura-Professorin, wurde von der SPD als Richterin für das Bundestagsverfassungsgericht nominiert. Viele Konservative stören sich an ihren liberalen Ansichten, etwa zum Abtreibungsrecht. Tagelang zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ anonyme Unionspolitiker mit ihrer Kritik.
Spahn verkennt die Stimmungslage. Am Tag des Bundestagsvotums muss er die Abstimmung absagen. Das „war für die Koalition ein schwerer Tag. Da gibt es nichts schönzureden“, räumte Spahn später ein. Zweifel an seiner Führungsstärke wurden laut.
Im Herbst 2026 folgt der nächste Aufstand. Die jungen Unionsabgeordneten kündigten den Widerstand gegen die geplante Rentenreform von Schwarz-Rot an. Spahn packte die Instrumente der Macht aus. Laut übereinstimmenden Medienberichten soll er den Widerspenstigen aus den eigenen Reihen mit dem Entzug von sicheren Listenplätzen für die nächste Wahl gedroht haben. Die Junge Gruppe lenkte ein, Spahn siegte.
Es sei klar, dass „über Szenarien und Konsequenzen“ gesprochen wurde, sagte Spahn der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nur zum Streit mit den Jungen. Mehr nicht. Mehrheitsbeschaffer steht schließlich ganz oben bei der Jobbeschreibung eines Fraktionschefs.











