Von Skincare-Routine bis Knochenbrüche
„Looksmaxxing“: Wie ein fragwürdiger Trend junge Männer erreicht
01.05.2026 – 10:11 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Social-Media-Trend „Looksmaxxing“ bedeutet so viel wie „Maximiere dein Aussehen“ – genau das versuchen immer mehr junge Männer. Was dahintersteckt.
Hautpflege, Körperhygiene, Fitness – das ist die Basis von „Looksmaxxing“. Ein Trend aus den sozialen Netzwerken, der darauf abzielt, das eigene Aussehen systematisch zu „optimieren“ und das vermeintlich Beste aus sich herauszuholen. Was harmlos beginnt, kann gefährliche Züge annehmen. Denn hinter einigen Tipps stehen rigide Schönheitsideale und eine Ideologie, die weit über gewöhnliche Lifestyle-Ratschläge hinausgeht.
„Looksmaxxing“ – Beauty-Tipps aus der Incel-Szene
Der Social-Media-Trend entstand bereits in den 2010er-Jahren in Online-Communitys der sogenannten Incel-Szene (von involuntary celibates, zu Deutsch „unfreiwillig enthaltsam“). Diese Online-Subkultur ist geprägt von Frauenfeindlichkeit und der Ideologie, dass Frauen vor allem Männer mit bestimmten optischen Merkmalen bevorzugen.
Eine zentrale Figur in dieser Denkweise ist der sogenannte Chad: ein überdurchschnittlich attraktiver, selbstbewusster Mann, der – laut dieser Vorstellung – Erfolg bei Frauen hat. Ihm wird der „durchschnittliche“ Mann gegenübergestellt, der als unterlegen eingestuft wird. Die Schlussfolgerung innerhalb dieser Logik lautet: Wer kein „Chad“ ist, müsse sein äußeres Erscheinungsbild systematisch optimieren, um zu einem „Alpha-Mann“ aufzusteigen.
Im Fokus der Veränderung stehen vor allem Gesichtszüge und Körperbau. Das Ziel ist unter anderem eine möglichst markante Kinnlinie, „Hunter Eyes“ (zu Deutsch „Jägeraugen“) und ein muskulöser Körper. Gibt man bei TikTok den Begriff „Looksmaxxing“ in die Suchzeile ein, erscheinen viele Videos von jungen Männern, die Vorher-nachher-Aufnahmen zeigen, Tipps geben oder sich selbst bei der Anwendung verschiedener Methoden filmen. Diese sind jedoch nicht immer harmlos.
Zähneputzen, Gesicht waschen, Knochen brechen
Der „Looksmaxxing“-Prozess teilt sich in verschiedene Stufen: „Softmaxxing“ bis „Hardmaxxing“. „Softmaxxing“ umfasst nicht invasive Maßnahmen. Darunter klassische Routinen wie Hautpflege, Fitness und Ernährung. Auch Trends wie das „Mewing“ fallen in die Kategorie. Dabei wird die Zunge gegen den Gaumen gepresst, was die Kieferlinie formen soll. Wissenschaftliche Beweise für die Wirkung gibt es allerdings nicht.
Deutlich problematischer ist das sogenannte Hardmaxxing. Sobald man in den Algorithmus des Trends gerät, werden (einem) immer extremere Inhalte von „Looksmaxxern“ ausgespielt. Beim „Bonesmashing“ schlagen sich junge Männer mit einem Hammer gezielt auf die Gesichtsknochen. Ziel ist es, dass bei der Heilung der Minifrakturen die Knochen kantiger zusammenwachsen, wodurch eine markantere Augen- und Kieferpartie entstehen soll.
Doch die Methode ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich. Sie kann zu Schwellungen und Nervenschäden führen, das Ergebnis ist zudem nicht absehbar.
Der Recherche-Sumpf „Looksmaxxing“
Auf Plattformen wie TikTok und Instagram verbreiten sich die Inhalte rasant. Wer sich einmal Videos mit harmlosen Tipps zur Selbstoptimierung anschaut, bekommt schnell Videos zu „Looksmaxxing“ und auch zunehmend extreme Varianten davon angezeigt.
Das berichtete im März dieses Jahres auch Louis Klamroth in der Sendung „Kulturschock – Von Feuilleton bis For You Page“. Er sei von der Suche nach Rückenfitness-Tipps in nur wenigen Swipes (Wischbewegungen auf dem Touchscreen) bei „Looksmaxxing“-Videos von bekannten Vertretern der Szene wie „Clavicular“ gelangt.
Influencer wie „Clavicular“ inszenieren in ihren Videos den vermeintlichen Erfolg der Anwendungen mit Vorher-nachher-Bildern, geben Tipps zur „Selbstoptimierung“ und bewerten in ihren Videos die Attraktivität anderer. Dabei nehmen sie sowohl Privatpersonen als auch prominente Persönlichkeiten wie die Berliner Rapperin Ikkimel oder den Fußballer Cristiano Ronaldo unter die Lupe. Im Zentrum steht eine vermeintlich objektive „Analyse“ des Gesichts: Diskutiert werden etwa Kinnproportionen, Augenabstände oder das Verhältnis von Gesichtshöhe zu -breite. Am Ende folgt ein Gesamtscore, der die Attraktivität scheinbar messbar macht.










