EZB im Dilemma
Verbraucher erwarten wieder steigende Preise
28.04.2026 – 13:34 UhrLesedauer: 2 Min.
Kaum schien die Inflation unter Kontrolle, drehen sich die Erwartungen erneut nach oben. Die EZB steht nun vor einer Entscheidung – mit Risiken auf beiden Seiten.
Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euro-Ländern sind im März wegen der stark gestiegenen Energiepreise infolge des Iran-Kriegs nach oben geschnellt. Im Mittel rechnen sie in den kommenden zwölf Monaten mit einer Teuerungsrate von 4,0 Prozent, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag zu einer von ihr in Auftrag gegebenen Umfrage mitteilte.
Im Februar lag dieser Wert noch bei 2,5 Prozent. Nach Beginn der Angriffe der USA und von Israel auf den Iran am 28. Februar sind die Energiepreise stark gestiegen. Die Verbraucher rechnen auch auf mittlere Sicht mit einer erhöhten Inflation. In den kommenden drei Jahren rechnen sie mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate von 3,0 Prozent.
Im Februar waren sie lediglich von 2,5 Prozent ausgegangen. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von zwei Prozent an. Im März lag sie mit 2,6 Prozent bereits deutlich darüber, im Februar mit 1,9 Prozent dagegen darunter.
Im Spannungsfeld von Inflationsgefahr und Konjunkturrisiken infolge des Iran-Krieges muss die EZB ihren Zinskurs neu abstecken. An den Finanzmärkten wird für die EZB-Ratssitzung an diesem Donnerstag zwar eine weitere geldpolitische Pause erwartet. Doch auch wenn der Leitzins bei 2,0 Prozent verharren sollte, wird der Auftritt von EZB-Chefin Christine Lagarde nach dem Ratstreffen mit Spannung verfolgt.
Sie hat die Handlungsbereitschaft der Zentralbank immer wieder betont. Und ein Zinsschritt nach oben auf der übernächsten Sitzung im Juni gilt unter Experten durchaus als eine Option.
Doch steckt die EZB in einem Dilemma, da sie mit einer strafferen Geldpolitik zwar den Preisauftrieb dämpfen, aber im schlimmsten Fall auch die bereits angeschlagene Konjunktur abwürgen könnte.
„Die Auswirkungen des Iran-Krieges werden in der Euro-Zone immer sichtbarer“, meint Eckhard Schulte, Vorstandschef des Vermögensverwalters MainSky Asset Management. Die jüngsten Konjunkturdaten sollten der EZB aus seiner Sicht klar zeigen, dass der Energiepreisschock bereits ohne Zinserhöhung die Binnennachfrage dämpfe und damit perspektivisch auch die Inflation.










