Studie stellt Empfehlung infrage
Mehr trinken schützt nicht vor neuen Harnsteinen
26.04.2026 – 09:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Zu wenig Flüssigkeit begünstigt Harnsteine – doch der Umkehrschluss greift offenbar zu kurz: Eine große Studie zeigt, dass mehr Trinken wenig bringt.
Harnsteine entstehen, wenn Stoffe, die normalerweise im Urin gelöst sind, fest werden und sich im Harntrakt zu Steinen zusammenlagern, also in der Niere, dem Harnleiter oder der Blase. Verursachen sie Schmerzen, Abflussstörungen oder Infektionen, müssen sie entfernt werden. Anschließend erhalten Betroffene in der Regel den Rat, viel zu trinken. Das soll der Bildung neuer Steine vorbeugen.
Wie sinnvoll diese Empfehlung tatsächlich ist, war bislang allerdings ungewiss. Eine neue Studie könnte zur Klärung beitragen. Den Ergebnissen zufolge reicht eine erhöhte Trinkmenge allein zur Vorbeugung wohl nicht aus.
An der Studie nahmen 1.658 Personen ab 12 Jahren teil, die schon einmal Harnsteine gehabt hatten und zu wenig Urin produzierten. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie zwei Gruppen zugewiesen: Personen der einen Gruppe sollten so viel trinken, dass sie täglich mehr als etwa 2,5 Liter Urin ausscheiden. Zur Unterstützung erhielten sie unter anderem Erinnerungen (zum Beispiel über Textnachrichten) und ein Gesundheitscoaching. Die andere Gruppe wurde wie üblich nach den geltenden medizinischen Leitlinien behandelt.
Die Studie lief über rund zwei Jahre. In dieser Zeit tranken die Teilnehmer aus bluetoothfähigen, „smarten“ Wasserflaschen, die ihre Flüssigkeitsaufnahme dokumentierten. Zudem wurde erfasst, bei wem erneut Harnsteine auftraten und Probleme verursachten.
Bei der Auswertung der Befunde stellte sich heraus: Obwohl die Teilnehmer der Viel-Trinken-Gruppe messbar mehr Flüssigkeit zu sich genommen hatten, hatten sie nicht seltener neue Harnsteine oder Beschwerden als die Vergleichsgruppe. Das galt sowohl für Steine, die behandelt werden mussten, als auch für solche, die in Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren auffielen.
Die Befunde stehen nicht unbedingt im Widerspruch zu dem, was man über die Entstehung von Harnsteinen weiß: Eine höhere Flüssigkeitszufuhr verdünnt den Urin und reduziert die Konzentration steinbildender Stoffe. Allerdings weist die Studie darauf hin, dass viel Trinken wohl nicht ausreicht, um das Rückfallrisiko innerhalb von zwei Jahren messbar zu senken.
Dafür könnte es verschiedene Erklärungen geben. Eine Rolle spielen vermutlich die anderen Einflüsse, die zur Bildung von Harnsteinen beitragen. Ob eine Person (erneut) Harnsteine entwickelt, hängt nicht nur von der Trinkmenge ab, sondern auch von Erkrankungen, die die Zusammensetzung des Urins verändern. Auch die Ernährung spielt eine Rolle. So stecken in einigen Lebensmitteln wie Rhabarber größere Mengen an Oxalsäure, einer steinbildenden Substanz. Auch purinreiche Speisen wie Innereien können den Harnsäurespiegel erhöhen.











