Doch man könne vergangene Trends nicht einfach fortschreiben, warnt Brücker. „Das Migrationspotenzial aus der Europäischen Union ist ausgeschöpft.“ Denn die jungen Leute, die bereit seien, ihr Land zu verlassen, hätten dies bereits getan. Dazu gibt es in anderen EU-Staaten ebenfalls einen demografischen Wandel. Für Arbeitsplätze und steigende Gehälter muss man nicht mehr nach Deutschland kommen.
Einwanderung wird also aus Drittstaaten erfolgen müssen. Die wird allerdings teilweise durch die Migrationspolitik der deutschen Regierung verhindert. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) rief vor knapp einem Jahr die Migrationswende aus. Das wirkt bereits, die Ankunftszahlen gingen zuletzt deutlich zurück. Zukünftig dürfte sich der Effekt noch verstärken.
Brücker wirbt daher für „viel mehr gesteuerte Arbeitsmigration, um die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zu stabilisieren“. Doch das funktioniert in Deutschland bisher kaum. Weniger als fünf Prozent der Migration hierzulande erfolgen wegen der Erwerbstätigkeit.
Allerdings ist dieser Prozess nur schwer steuerbar, betont Brücker: „Die Politik kann die Entwicklung nur bedingt beeinflussen.“ Denn Deutschland steht in einem harten Wettbewerb mit anderen Industrieländern, nicht nur in Europa. Auch Staaten wie Südkorea und Japan sind massiv von Überalterung getroffen und öffnen sich für Migration. Deutschland ist nicht mehr eine automatische Anlaufstelle für qualifizierte Menschen.
Allerdings gibt es Möglichkeiten, um Anreize zu schaffen. So fordert Brückner, die Politik müsse nun die Schwellen für Arbeitsmigration senken. „Wenn wir weniger Auflagen haben, kommen mehr Menschen, die sich trotzdem gut in den Arbeitsmarkt integrieren, wie die empirische Forschung zeigt.“ So haben Menschen, die aufgrund einer Arbeit ins Land kommen, auch auf lange Sicht eine höhere Beschäftigungsquote als der deutsche Durchschnitt.
Grundsätzlich steht Deutschland vor dem elementaren Problem, dass es immer weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter zwischen 15 und 67 Jahren geben wird. Laut den IW-Berechnungen könnte die Zahl bis 2045 um 8,3 Prozent auf 50,4 Millionen Menschen sinken.
Sollte es so kommen, hätte der Rückgang massive Auswirkungen auf die Wirtschaft, mahnt Brücker: „Das bedeutet, dass die Volkswirtschaft schrumpft. Bliebe die Erwerbstätigenquote unter den Menschen im erwerbsfähigen Alter auch konstant, ginge auch die Wirtschaftsleistung ungefähr um acht Prozent zurück.“
Doch auch die Bevölkerungsstruktur würde in diesem Fall zum Problem. Denn während die arbeitsfähige Bevölkerung um mehrere Millionen schrumpft, wächst die Anzahl der Personen im Rentenalter weiter deutlich. Das IW geht von einem Anstieg um 20 Prozent oder 3,4 Millionen Menschen aus.










