Tegut wird zerschlagen
Rewe schnappt sich Dutzende Filialen – doch ein Experte warnt
17.04.2026 – 02:04 UhrLesedauer: 2 Min.
Tegut wird aufgeteilt: Die Kölner Rewe Group will bis zu 40 Filialen übernehmen – doch ein Düsseldorfer hält ein Verbot für möglich.
Die Kölner Rewe Group plant, bis zu 40 Filialen der Supermarktkette Tegut zu übernehmen. Wie das Unternehmen der Nachrichtenagentur dpa mitteilte, wurde ein entsprechender Vertrag mit dem Tegut-Mutterkonzern, der Genossenschaft Migros Zürich, unterzeichnet. Die Transaktion steht allerdings noch unter dem Vorbehalt der Freigabe durch das Bundeskartellamt.
Gibt die Behörde grünes Licht, will die Rewe Group den Großteil der betroffenen Tegut-Märkte selbst betreiben. Die übrigen sollen an die Discountertochter Penny gehen. Zum Kaufpreis äußerte sich Rewe ebenso wenig wie zu den konkreten Standorten. Den Beschäftigten will das Unternehmen ein Jobangebot machen. Die meisten Tegut-Filialen befinden sich in Hessen.
Rewe will Tegut: Migros zieht sich aus Deutschland zurück
Hintergrund ist der angekündigte Rückzug des Schweizer Mutterkonzerns Migros aus dem deutschen Markt. Parallel zu den Plänen der Rewe Group will der Lebensmittelhändler Edeka rund 200 der etwa 300 Tegut-Supermärkte übernehmen. Zum Edeka-Paket gehören zusätzlich das Tegut-Logistikzentrum in Michelsrombach sowie die rund 40 „Teo“-Minimärkte. Auch dieses Geschäft bedarf der Zustimmung des Kartellamtes. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa interessiert sich zudem Aldi Nord für einzelne Standorte.
Migros hatte bereits im März bekanntgegeben, mit der Rewe Group über Tegut zu verhandeln. Im Jahresabschluss der Genossenschaft heißt es: „Die Filialen werden zu größten Teilen an andere Lebensmitteleinzelhändler verkauft.“ Die Marke Tegut soll dabei aufgegeben werden. Unklar ist bislang, wie viele Märkte insgesamt bestehen bleiben.
Kartellrechtler hält Untersagung für möglich
Rechtsexperten sehen die geplanten Übernahmen teilweise kritisch. Rupprecht Podszun, Kartellrechtler an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, beklagt eine zu hohe Marktmacht der großen Handelsketten in Deutschland und erwartet eine besonders intensive Prüfung durch das Kartellamt. Er hält es sogar für möglich, dass die Behörde die Vorhaben ganz oder teilweise untersagt.
Edeka-Sprecher Rolf Lange sieht das anders: „Eine Untersagung der Übernahme durch Edeka und andere große deutsche Lebensmitteleinzelhändler hätte gravierende Folgen für die Versorgung der Verbraucher sowie für tausende Arbeitsplätze, da Standortschließungen drohen.“ Realistisch kämen für eine Übernahme der Tegut-Märkte ohnehin nur die großen deutschen Lebensmittelhändler in Betracht. „Ausländische Investoren scheuen den Markteintritt in den deutschen Markt, da dieser so wettbewerbsintensiv und von niedrigen Margen geprägt ist“, so Lange. Nach eigenen Angaben war Edeka auch offen dafür, Tegut vollständig zu kaufen – um das Freigabeverfahren beim Kartellamt zu beschleunigen, sei das Filialpaket jedoch begrenzt worden.
Tegut beschäftigt knapp 7.500 Menschen
Tegut wurde 1947 in Fulda gegründet. Anfang 2013 übernahm Migros die Kette, die heute in sechs Bundesländern vertreten ist. Nach Konzernangaben gibt es etwa 340 Tegut-Filialen – inklusive der „Teo“-Minimärkte. Knapp 7.500 Menschen sind bei Tegut beschäftigt.
Die Rewe Group mit Sitz in Köln gehört neben Edeka, der Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) und Aldi zu den größten Lebensmittelhändlern in Deutschland. Die gleichnamige Supermarktkette betreibt hierzulande rund 3.800 Filialen, der Discounter Penny mehr als 2.100.











