Von Euronews
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Eine beispiellose Spaltung erschüttert das französische Verlagswesen.
Am Mittwoch gaben 115 bei Grasset veröffentlichte Autoren bekannt, dass sie den Verlag verlassen würden, nachdem Vincent Bolloré seinen Vorsitzenden Olivier Nora gestürzt hatte.
In einem gemeinsamen Brief verurteilten die Autoren den „ideologischen Krieg“, den der ultrakonservative Milliardär – dem die Hachette Livre Group gehört, zu der auch Grasset gehört – führt, um „Autoritarismus in der gesamten Kultur und den Medien durchzusetzen“ und warnten: „Wir werden unser nächstes Buch nicht mit Grasset unterschreiben.“
Olivier Noras überstürzter Abgang
Diese in ihrem Ausmaß seltene Mobilisierung wurde kurz nach der Ankündigung des überraschenden Abgangs von Olivier Nora, der den Verlag 26 Jahre lang geleitet hatte, ins Leben gerufen.
Obwohl die offiziellen Gründe für seine Entlassung nicht genannt wurden, geben die Autoren Vincent Bolloré direkt die Schuld und werfen ihm vor, seine Linie durchzusetzen: „Noch einmal sagt Vincent Bolloré: ‚Ich bin zu Hause und kann tun, was ich will‘“ und fügt hinzu: „Wir wollen nicht, dass unsere Ideen, unsere Arbeit sein Eigentum sind.“
Der Abgang von Olivier Nora hängt möglicherweise mit Spannungen um die Veröffentlichung des kommenden Buches des berühmten algerischen Autors Boualem Sansal zusammen, der kürzlich zu Grasset kam.
Es scheint, dass es zwischen dem Managementteam Meinungsverschiedenheiten über den Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Buches über seine Inhaftierung in Algerien gab. Der Autor selbst widersprach dieser Version jedoch und bestand darauf, dass Olivier Nora ihm geschrieben hatte, um zu sagen: „Sie haben damit nichts zu tun.“
Zu den Unterzeichnern gehören Virginie Despentes, Vanessa Springora und Sorj Chalandon. Alle würdigen den Mann, den sie als „Bollwerk und Zement“ eines Verlags bezeichnen, der für die Vielfalt seiner Autoren bekannt ist.
Die Hachette-Gruppe im Wandel
Dieser Exodus ist Teil einer umfassenderen Transformation der Hachette Livre-Gruppe, die seit 2023 von Vincent Bolloré kontrolliert wird.
Eine Reihe hochrangiger Führungskräfte haben aufgrund strategischer Meinungsverschiedenheiten bereits ihre Posten verlassen, darunter Arnaud Nourry und Sophie de Closets.
Gleichzeitig kam es bei einigen Verlagen wie Fayard zu einer Weiterentwicklung ihrer redaktionellen Linie durch die Veröffentlichung von Autoren mit rechten oder rechtsextremen Neigungen wie Nicolas Sarkozy, Jordan Bardella und Philippe de Villiers.










