Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin in der Geschichte der Männer-Bundesliga. Das ist weniger ein mutiger als vielmehr ein gut kalkulierter Schritt.
Union Berlin hat am späten Samstagabend eine historische Entscheidung verkündet: Marie-Louise Eta, bisherige U19-Trainerin der Köpenicker, übernimmt nach der Trennung von Steffen Baumgart interimistisch die Profis. Sie wird damit die erste Cheftrainerin in der 63-jährigen Geschichte der Männer-Bundesliga. Es ist eine Entscheidung, die dem Klub zu Recht von vielen Seiten Applaus einbringt. Mut hat es dafür aber nur bedingt gebraucht.
Im Video | Sie ist die neue Trainerin der Union-Männer
Player wird geladen
Natürlich ist es insofern ein gewagter Schritt, als kein anderer Bundesligist, ja nicht einmal ein anderer Verein der fünf europäischen Topligen, diesen jemals zuvor gegangen ist. Das liegt sicher auch daran, dass der Bühne des Männerfußballs noch immer eine ordentliche Portion an toxischer Maskulinität anhaftet. Das zeigen auch ekelhafte, gegen die Trainerin gerichtete Kommentare in den sozialen Medien, die nichts anderes als blanker Sexismus sind.
Solche Kommentare zeigen nur, wie ewiggestrig so mancher im Fußball noch immer ist. Nein, viel mehr als von Mut zeugt dieser historische Schritt von geschicktem Kalkül. Der Zeitpunkt für ihn ist perfekt, denn für beide Seiten ist das Risiko überschaubar.
Die Köpenicker betonen zwar seit Wochen, dass der Klassenerhalt noch nicht geschafft ist. Das ist auch richtig, schließlich hat der Klub in den vergangenen 14 Spielen nur zwei Siege errungen.
Trotzdem bewegt sich die Wahrscheinlichkeit auf einen Abstieg fünf Spieltage vor dem Saisonende aber nur im Promillebereich. Die Köpenicker haben 32 Punkte auf dem Konto, das hätte in der Vorsaison schon zum Klassenerhalt gereicht. Hinzu kommt, dass der Vorsprung auf den Relegationsrang aktuell sieben Punkte beträgt. Ganze fünf Teams müssten an Union vorbeiziehen, damit der Klub den direkten Klassenerhalt verpasst.










