Fall löst Diskussionen aus
Supermarkt-Mitarbeiter schnappt Dieb – und wird entlassen
09.04.2026 – 14:34 UhrLesedauer: 2 Min.
Seit Jahren wird in einem englischen Supermarkt geklaut. Ein Mitarbeiter will sich das nicht länger anschauen und schreitet ein. Wenig später ist er seinen Job los.
In Großbritannien ist eine Debatte über die Entlassung eines Supermarkt-Mitarbeiters entbrannt, der mittlerweile auch die Politik erreicht hat. Der 54 Jahre alte Walker Smith machte den Fall mit einem Interview im britischen „Guardian“ öffentlich.
Smith war nach eigenen Angaben seit 17 Jahren als Verkäufer bei einer Filiale der Supermarkt-Kette Waitrose im Süden Londons angestellt. Vor Ostern habe er bemerkt, wie ein Mann Schokoladeneier und -hasen in eine Tasche gelegt habe. Laut Smith handelte es sich um einen Ladendieb, der bereits in der Vergangenheit zugeschlagen habe. Smith habe dem Dieb die Tasche entrissen, dann habe es ein Gerangel zwischen den beiden gegeben. Einer der Schokohasen sei zu Boden gefallen, wobei Smith „aus Frust“ ein Stück der Schokolade in Richtung der Einkaufswagen geworfen habe, wie er angab.
Für den langjährigen Verkäufer hatte der Fall ernsthafte Konsequenzen: Er wurde entlassen. „Ich habe versucht, stark zu bleiben und kein Wort gesagt, aber innerlich habe ich geweint,“, sagte er dem „Guardian“. Der Grund war laut dem Bericht, dass Smith von der Filialleitung zuvor untersagt worden sei, Ladendiebe anzusprechen. Offenbar sei dies ausschließlich geschultem Personal wie Ladendetektiven vorbehalten.
Smith rechtfertigte sich hingegen. Der Zeitung sagte er weiter: „Von Drogenabhängigen bis hin zu Teenagern, die Kleinigkeiten klauen oder mit Weinflaschen im Arm herumlaufen, ist alles dabei. Wir dürfen gar nichts mehr machen.“
Der Verkäufer war nach eigenen Angaben erst kürzlich in eine neue Wohnung gezogen und mache sich nun Sorgen, wie er diese ohne seinen Job finanzieren soll. „Vielleicht werde ich obdachlos“, so seine Befürchtung.
Inzwischen hat der Fall auch die Politik erreicht. Der konservative Abgeordnete Chris Philp erklärte laut BBC, der Fall zeige, dass Straftäter „dreist und mit wenig Furcht vor Konsequenzen“ agierten. Er forderte, Smith müsse seinen Job zurückbekommen. Die Entlassung des langjährigen Mitarbeiters sende ein „völlig falsches Signal“.
Waitrose reagierte und erklärte der BBC, die bisherige Berichterstattung decke „nicht alle Fakten“ ab. „Auch wenn wir niemals über einen Einzelfall sprechen können, können wir versichern, dass das korrekte Verfahren eingehalten wird“, sagte ein Sprecher.










