Spektakulärer Prozess
Betrug beim Führerschein: Doppelgänger-Netzwerk kassiert ab
09.04.2026 – 16:21 UhrLesedauer: 3 Min.
Viele junge Menschen haben Angst vor der Führerscheinprüfung – manche kommen auf kriminelle Gedanken. Eine Bande soll das ausgenutzt haben, mit einem ausgeklügelten System.
Mehr als zwei Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr die theoretische Führerscheinprüfung abgelegt, so viele wie nie zuvor. Zwischen 20 und 40 Fragen, Multiple-Choice und dazu oft enormer Druck. Fast jeder zweite Prüfling fällt durch.
Das nutzen Jahr für Jahr organisierte Banden aus, die gegen viel Geld unter anderem Doppelgänger organisieren. Vor dem Heilbronner Landgericht hat nun einer der bislang wohl spektakulärsten Prozesse gegen eine mutmaßliche Bande von Führerscheinbetrügern begonnen. Auf der Anklagebank sitzen insgesamt fünf Männer, darunter Inhaber von zwei Fahrschulen, die über ein Netzwerk Doppelgänger vermittelt haben sollen. Als sogenannte Stellvertreter übernahmen diese laut Anklage Dutzende theoretische Fahrprüfungen im Raum Heilbronn und Göppingen, mindestens zwei auch in Bayern.
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Betrug: Doppelgänger absolvieren Führerscheinprüfung
Die Männer mit deutscher, bulgarischer und syrischer Staatsangehörigkeit sollen ein aufwendiges Betrugssystem aufgebaut haben: Demnach organisierten die Fahrschul-Inhaber den Betrug, ihre mutmaßlichen Komplizen kümmerten sich um die Stellvertreter und waren deren Ansprechpartner am Tag der Tat. Für Interessenten, vor allem aus Bulgarien, wurden passende, möglichst ähnlich aussehende Doppelgänger gesucht. Nicht in allen Fällen waren diese aber bei den Prüfungen erfolgreich. Gezahlt werden musste trotzdem.
Insgesamt sind die Männer wegen 59 Taten angeklagt. Die Prüfungen seien eine „Einnahmequelle von erheblichem Umfang und einiger Dauer“ gewesen, sagte der Staatsanwalt in seiner rund zweistündigen Anklageverlesung zum Prozessauftakt.
Prüflinge hätten im Normalfall etwa 2.000 Euro gezahlt. Es seien aber auch deutlich höhere Beträge gezahlt worden. Gemeinsam sollen die Männer mehr als 179.000 Euro eingenommen und das Geld aufgeteilt haben.
Haftstrafen von bis zu fünfeinhalb Jahren im Gespräch
Es ist nicht der erste, aber der größte Prozess gegen die Gruppe: Ein mutmaßlicher Komplize war bereits im März in Heilbronn rechtskräftig zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde des Betrugs in 31 Fällen schuldig gesprochen, weil er sich als Doppelgänger ausgegeben hatte.
Im aktuellen Fall gab es zwar ein Verständigungsgespräch vor dem Auftakt. Darin brachte die Staatsanwaltschaft Haftstrafen zwischen drei und fünfeinhalb Jahren ins Spiel, sollten die Angeklagten nicht gestehen. Die Verteidigung ging aber von deutlich geringeren Strafen aus. Eine Entscheidung über Geständnisse oder Einlassungen, die den Prozess deutlich verkürzen könnten, ist noch nicht gefallen.
Führerschein: So läuft die Betrugsmasche ab
Die Betrüger gehen in der Regel stets nach dem gleichen Muster vor: Hat ein interessierter Prüfling Sprachprobleme, weiß er schlicht zu wenig oder ist zu nervös, wird aus einem Pool ein ähnlich aussehender Doppelgänger ausgesucht. Dieser weist sich mit dem Dokument des Prüflings aus, absolviert anstelle des Kunden den Test – und besteht ihn im besten Fall auch. „Das ist ein gut organisiertes Netzwerk, in dem die Stellvertreter regelrecht Termine abarbeiten“, sagt Marcellus Kaup vom Tüv Süd. „Manche absolvieren bis zu acht Prüfungen am Tag und im ganzen Land.“











