„Zeit“-Vize über Nordstream-Buch
„Teils hanebüchener, teils strafrechtlich relevanten Unsinn“
08.04.2026 – 14:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Bestseller schürt Streit in der deutschen Medienszene. Das Buch „Die Sprengung“ stellt die Frage, ob ein führender Journalist der „Zeit“ als verlängerter Arm des Kanzleramts agiert hat. Jetzt wehrt er sich öffentlich gegen den Vorwurf.
Der stellvertretende Chefredakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, Holger Stark, hat am Dienstag auf LinkedIn mit scharfer Kritik und einer eigenen Darstellung der Dinge auf das neue Enthüllungsbuch „Die Sprengung“ reagiert. Teile des Buches bezeichnet Stark dabei als „hanebüchenen, teils strafrechtlich relevanten Unsinn“.
Das Buch zeichnet den Anschlag auf die Nordstream-Pipelines und die politischen Entwicklungen nach. Dabei hinterfragen die Autoren auch das Handeln einzelner Journalisten. Unter anderem entsteht in dem Buch der Eindruck einer Nähe von Holger Stark zum ehemaligen Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt (SPD). Stark wehrt sich nun gegen diesen Eindruck und erklärt bei LinkedIn, dass Schmidt ihm nicht als Quelle für eine entsprechende Recherche zum Anschlag auf die Pipeline gedient habe.
Die Autoren des Buches „Die Sprengung“, Oliver Schröm und Ulrich Thiele, stellen in ihrem Werk Starks journalistische Integrität infrage. Beim Lesen des Buches kann der Eindruck entstehen, dass Schröm und Thiele ihm vorwerfen, dabei geholfen haben, den Nord-Stream-Anschlag politisch zur Ukraine-Staatsaffäre umzudeuten. Und das, indem er angeblich vertrauliche Ermittlungsdetails veröffentlichte, die nur aus dem Kanzleramt stammen konnten, und damit Scholz‘ Weigerung, schwere Waffen an Kiew zu liefern, öffentlich legitimierte.
Konkret wendet sich Stark gegen die Darstellung, das Kanzleramt habe Informationen über die Ukraine-Spur beim Nordstream-Anschlag gezielt an ihn lanciert. Kanzleramtsminister Wolfgang Schmidt sei ausdrücklich nicht die Quelle für seine Enthüllungen gewesen, schreibt Stark. Zur Veröffentlichung des Buches schreibt er wörtlich: „Wer am Beispiel der Nordstream-Berichterstattung insinuiert, Medien und Politik steckten unter einer Decke, der bedient eine gefährliche Erzählung auf Basis falscher Annahmen.“
Allerdings behaupten Schröm und Thiele das in ihrem Buch nicht so direkt. Ihr Werk reiht Fakten aneinander – Schmidts enges Journalistennetzwerk, private Nachrichten, dokumentierte Kontakte –, die in ihrer Gesamtheit allerdings einen entsprechenden Eindruck entstehen lassen können. Die im Buch beschriebene persönliche Nähe zu Schmidt basiert auf gemeinsamen Fußballspielen auf der Münchner Sicherheitskonferenz, privaten E-Mails mit der Anrede „Lieber Holger“, Hintergrundrunden im Kanzleramt und anderen Treffen – und darauf, dass Stark aus internen Sechs-Augen-Gesprächen Schmidts berichtet.
t-online hat bei den Staatsanwaltschaften Hamburg und Berlin angefragt, ob eine Strafanzeige im Kontext des Buches gegen Thiele und Schröm vorliegt. Beiden Staatsanwaltschaften ist eine solche Anzeige nicht bekannt.










