Fachkräfte fehlen, Insolvenzen nehmen zu, Energiepreise steigen: Zahlreichen Handwerksbetrieben geht es derzeit schlecht. Verbandspräsident Dittrich erklärt, was passieren muss, um die Branche zu retten.
Jörg Dittrich kommt aus einem Dresdner Handwerksbetrieb mit langer Tradition. Seine Familie führt seit 1905 eine Dachdeckerfirma. Doch in der DDR sei der Familienbetrieb gegängelt, politisch misstrauisch beäugt und fast enteignet worden, sagt der 56-Jährige. In dieser Zeit durfte die Firma nicht mehr als zehn Mitarbeiter haben. Nach der Wiedervereinigung wuchs der Betrieb dann stark, heute arbeiten dort mehr als 100 Menschen, auch die fünfte Generation ist schon dabei.
Dittrich sagt, die DDR-Zeit hätte sein Leben stark geprägt. Vielleicht erklärt das, warum der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks so kritisch auf wirtschaftliche Fehlentwicklungen blickt. Im Interview spricht Dittrich über steigende Energiepreise, wegbrechende Aufträge und das „stille Sterben“ vieler Betriebe. Außerdem erklärt er, was ihn heute noch an die DDR erinnert und warum sich die Politik nicht weiter einmauern sollte.
t-online: Wegen des Krieges im Nahen Osten steigen die Energie- und Spritpreise stark. Wie sehr belastet das die Handwerkerinnen und Handwerker?
Jörg Dittrich: Auf das Handwerk kommen erhebliche Kostensteigerungen zu. Egal, ob Logistikkosten oder Rohstoffpreise in den Lieferketten, es gibt massive Auswirkungen. Ich erlebe es in meiner Firma täglich: Vergangene Woche hat uns ein Unternehmen beauftragt, das Dach zu modernisieren. Diese Woche kam der Anruf: Wir müssen nicht mehr kommen, das Werk wird Ende April geschlossen.
Sehen Sie aktuell mehr Handwerksbetriebe, die aufgeben?
Leider beobachten wir das schon länger. Wie in der Gesamtwirtschaft sind auch im Handwerk die Insolvenzzahlen gestiegen. Größere Sorgen macht mir das „stille Sterben“ vieler Betriebe. Rund 75 Prozent der Handwerksbetriebe sind Personenunternehmen, deren Inhaber mit ihrem Privatvermögen haften. Da hängt dann nicht nur der Betrieb dran, sondern oft das ganze Leben, das Einfamilienhaus, die Altersvorsorge. Wenn es wirtschaftlich eng wird, dann prüfen viele: Was kann ich tun, dass all das nicht verloren geht? Und viele, die Ende fünfzig oder Anfang sechzig sind, sagen sich: Ehe ich alles riskiere und ohnehin niemanden finde, der den Betrieb übernimmt, höre ich lieber auf. Die schließen dann still. Allein 2025 ist im Handwerk die Beschäftigtenzahl um 66.000 gesunken.











