Interview manipuliert
Aus Zehntausenden macht Lawrow Hunderte
Aktualisiert am 05.04.2026 – 15:55 UhrLesedauer: 3 Min.
Russlands Außenminister Lawrow gibt ein Interview. Und plötzlich gibt es davon zwei Versionen. Die Kreml-Version weicht dabei erheblich vom Original ab.
Ein Interview des russischen Außenministers Sergej Lawrow in den 20-Uhr-Nachrichten des französischen TV-Senders France 2 hat eine Kontroverse ausgelöst – auch wenn im Fernsehen nur zehn Minuten des einstündigen Gesprächs ausgestrahlt wurden.
In dem am 26. März gezeigten Ausschnitt ging es vor allem um den Krieg im Nahen Osten. Lawrow behauptete, Russland verteidige in erster Linie nicht den Iran, sondern das Völkerrecht, das von den USA verletzt werde. Ganz im Gegenteil zu Russland, so die Darstellung Lawrows. Das russische Militär habe niemals „ausschließlich zivile“ Ziele in der Ukraine angegriffen, erklärte Russlands oberster Diplomat nüchtern. Und auch, ohne auf Widerrede der französischen Journalistin zu stoßen.
Nach der Ausstrahlung des Interviews geriet das französische Fernsehen in die Kritik – nicht weil Lawrow zu sehen gewesen war, sondern weil nicht genügend Kontext geliefert und die falschen Aussagen des russischen Ministers nicht hinterfragt wurden. Man habe Lawrow ermöglicht, so die Kritiker, russische Propaganda zu verbreiten. Auch Frankreichs Außenminister Jean-Noël Barrot äußerte sich zu dem Interview: „Lügen zur besten Sendezeit zu wiederholen, macht sie nicht zur Wahrheit“, sagte er einen Tag später.
Er stellte klar: „Russland verteidigt das Völkerrecht nicht, weder im Iran noch in der Ukraine noch sonst irgendwo. Das Völkerrecht wird nicht verteidigt, indem man einen Angriffskrieg beginnt, ein Nachbarland überfällt, die Souveränität einer Nation leugnet, und der ungezügelte Einsatz von Gewalt außerhalb jeglichen Rechtsrahmens ist nichts anderes als ein bestialischer Ausdruck von Brutalität“, so Barrot. Er bedauerte, dass es Lawrow „gelungen ist, ruhig seine Propaganda zu verbreiten“.
Dass das Interview allein diesem Zweck diente, bestätigte Lawrow wenig später selbst –auch wenn es unbeabsichtigt geschah. Im Vorfeld hatte er gefordert, dass das gesamte Interview vollständig veröffentlicht wird. Der französische Sender kam dieser Bedingung nach und stellte das einstündige Interview ins Netz. Auch das russische Außenministerium veröffentlichte das Interview auf seinem YouTube-Kanal. Doch diese Version unterscheidet sich vom Original.
Der Kreml legte der französischen Journalistin Worte in den Mund, die nie gefallen sind. In das Interview stieg Léa Salamé mit der folgenden Frage ein: „Wir haben Sie kaum dabei gehört, Ihren iranischen Verbündeten zu verteidigen – jedenfalls nicht mit großer Entschlossenheit. Woran liegt das?“










