Einen präventiven Abschuss hatte die Senatorin zuvor ausgeschlossen: Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete dies bei einem streng geschützten Tier. Eine aktive Treibjagd wäre zudem ein unkalkulierbares Risiko gewesen und hätte zu Unfällen oder Panikreaktionen führen können. Dass eine der Optionen dennoch die Tötung des Tieres sein könnte, sieht zumindest ein Experte als einzig vertretbare Lösung: Der Journalist, Jäger und Wolfsexperte Eckhard Fuhr sprach sich im RTL-Interview dafür aus. „Ein dauerndes Leben in Gefangenschaft in einem Tierpark kann man diesem Wolf nicht zumuten“, sagte er. Das Tier wieder freizulassen halte er für ebenso problematisch. „Es wäre die vernünftigste Lösung, den Wolf zu töten.“
Nach Einschätzung von Experten der Deutschen Wildtierstiftung und des BUND handelt es sich bei dem Tier um ein Jungtier. „Nach Experteneinschätzung handelt es sich bei dem Tier höchstwahrscheinlich um einen Welpen in der Abwanderungsphase von seinem Rudel“, hatte die Umweltbehörde mitgeteilt. In dieser Phase legen Wölfe meist weite Strecken zurück, auf der Suche nach einem eigenen Revier gelangte der Wolf wohl versehentlich so weit ins Stadtgebiet Hamburg.
Der Wolfsexperte Klaus Hackländer von der Deutschen Wildtierstiftung erklärte sowohl, warum das geschieht, als auch warum es eskalierte: „Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Wolf in eine Siedlung oder sogar in eine Stadt geht, ist groß aufgrund der hohen Anzahl an Wölfen, die wir mittlerweile haben.“ Einmal in der Stadt, werde das Tier von Lärm, Licht und Verkehr gestresst. „Und dann wird er vielleicht noch in die Enge gedrängt oder fühlt sich in die Enge gedrängt. Dann reagiert der Wolf einfach im Affekt und greift natürlich auch an.“ Grundsätzlich stehe der Mensch dabei nicht auf dem Speiseplan eines Wolfes, betonte Hackländer: „Der Mensch ist nicht im Beuteschema, vor allen Dingen nicht der erwachsene Mensch.“
Anders sehe es bei Kindern aus – die passen der Größe nach eher ins Beuteschema. „Die Märchen kommen nicht von ungefähr“, sagte Hackländer mit Blick auf die Geschichte von Rotkäppchen. „Wenn ein Wolf hungrig ist, dann nimmt er sich das, was er glaubt, packen zu können.“
Jüngsten Zahlen des Bundesamts für Naturschutz zufolge wurden zuletzt 219 Wolfsrudel, 43 sogenannte territoriale Paare und 14 territoriale Einzeltiere in Deutschland bestätigt (Stand: Oktober 2025). Seit dem Jahr 2013 wurden in Hamburg insgesamt 22 Wolfsnachweise eindeutig bestätigt – der aktuelle Vorfall eingeschlossen.








