Umfrage sieht großes Potenzial
Aldi statt Arzt: Gesundheitschecks im Handel stoßen auf Interesse
30.03.2026 – 14:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Zahl der Apotheken und Arztpraxen sinkt. Nun könnte der Einzelhandel einspringen. Ein Großteil der Menschen zeigt sich für diese neue Option offen.
Ob ein Bluttest bei Netto oder ein Augenscreening bei Rossmann: Die Mehrheit der Deutschen kann sich laut einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte vorstellen, einfache Gesundheitsdienstleistungen im Einzelhandel vornehmen zu lassen. 60 Prozent der Befragten erklärten, ausgewählte Gesundheitsservices außerhalb von Arztpraxen und Apotheken grundsätzlich attraktiv zu finden.
Besonders Drogeriemärkte genießen bei den Menschen dabei offenbar einen hohen Vertrauensvorschuss: 39 Prozent zeigen sich offen, vor Ort Gesundheitsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Das ist deutlich mehr als in Einkaufszentren (25 Prozent) oder Supermärkten (17 Prozent). Rund ein Drittel will hingegen weiterhin für Blutanalysen oder Hautscreenings ausschließlich in die Arztpraxis gehen.
Befürworter versprechen sich vom Gesundheitscheck im Einzelhandel hauptsächlich schnellere Termine (47 Prozent), eine einfachere Terminvereinbarung (34 Prozent) sowie längere Öffnungszeiten (32 Prozent). Auch die geografische Nähe von Super- oder Drogeriemärkten sehen viele (35 Prozent) positiv. „Der niedrigschwellige Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen auch gerade im ländlichen Raum ist ein hohes Gut. Hier kann der Einzelhandel mit seinen flächendeckenden Filialnetzen ein wertvoller Kooperationspartner sein“, zeigt sich Studienautor Ibo Teuber überzeugt.
Bedenken gibt es hauptsächlich in Bezug auf die medizinische Qualität der angebotenen Dienstleistungen (48 Prozent). Mangelndes Vertrauen in den Einzelhandel (16 Prozent) sowie Bedenken aufgrund der vor Ort herrschenden Hygiene (13 Prozent) werden ebenfalls als Gegenargumente gebracht.
Das Gesundheitssystem steht hierzulande stark unter Druck: Während die Nachfrage nach Gesundheitsleistungen aufgrund des demografischen Wandels steigt, entwickelt sich die Zahl der Apotheken und Arztpraxen in der vertragsärztlichen Versorgung rückläufig. Vor allem auf dem Land wird der Weg zur nächsten Praxis immer weiter. 30 Prozent der Befragten gaben an, mit der aktuellen Versorgungssituation unzufrieden zu sein.
Der Einzelhandel sieht in Gesundheitsdienstleistungen hingegen ein großes Potenzial. Einen ersten Aufschlag hat die Drogeriekette dm unternommen: Seit einigen Monaten bietet das Karlsruher Unternehmen in einigen Filialen bestimmte Diagnose- und Präventionsleistungen wie Augenchecks, Hautscreenings und Blutanalysen an. Die Umfrageergebnisse könnten auch andere Händler dazu animieren, ihr Angebot zu erweitern. So erklärte sich über die Hälfte der Befragten bereit, ihren üblichen Einkaufsort zu wechseln, um bestimmte Gesundheitsdienstleistungen wahrzunehmen.
Die Ärzteschaft sieht Gesundheitsdienstleistungen im Einzelhandel hingegen kritisch: „Medizinische Diagnostik lässt sich nicht im Vorbeigehen erledigen. Messungen in Drogerien vermitteln den Eindruck von Sicherheit, liefern aber lediglich isolierte Momentaufnahmen ohne medizinischen Kontext“, mahnt Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer.
Auch aus Reihen der Politik gibt es Kritik. So gibt der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi, von Beruf selbst Facharzt für Chirurgie, zu bedenken, dass das Personal in den Drogeriemärkten zwar an den Messgeräten geschult werde, die Ergebnisse jedoch nicht fachlich einordnen könne. Dadurch könnten Ergebnisse missinterpretiert werden, „und so Gefahren für Patientinnen und Patienten aufgrund von falscher Sicherheit oder unnötiger Beunruhigung entstehen“, erklärt der Minister.











