„Muslimische Jungen bereits genug im Visier“
Vergewaltigungsskandal: Dokument nährt brisanten Verdacht
Aktualisiert am 26.03.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 3 Min.
Wurde eine Vergewaltigung in Berlin vertuscht, weil die Täter einen Migrationshintergrund haben? Bisher widersprechen die Verantwortlichen vehement. Jetzt wirft ein Schreiben Fragen auf.
Im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigung in einem Jugendzentrum in Berlin-Neukölln ist eine eidesstattliche Versicherung aufgetaucht, der zufolge sich die Vorwürfe gegen die Mitarbeiter des Jugendzentrums und des Jugendamts weiter erhärten könnten. Konkret geht es um den Vorwurf, die mutmaßlichen Täter seien aufgrund ihres Migrationshintergrunds bewusst geschützt worden. „Tagesspiegel“ und „Bild“-Zeitung berichteten zuerst über das Schreiben, das an das Bezirksamt, den Jugendhilfeausschuss und den Senat verschickt worden sei.
In dem Neuköllner Jugendklub soll Ende 2025 eine 16-Jährige von Jugendlichen vergewaltigt worden sein. Erst Wochen später, am 23. Februar, erhielt die Polizei von dem Fall Kenntnis, nachdem der Vater des Mädchens Anzeige erstattet hatte. Die Mitarbeiter des Jugendzentrums riefen hingegen nicht die Polizei.
Die eidesstattliche Erklärung stammt den Berichten zufolge von Mitarbeitern eines Mädchenzentrums, das sich direkt neben dem Jugendklub befindet. Die 16-Jährige habe sich ihnen im Januar dieses Jahres anvertraut, woraufhin sich die Mitarbeiter an das Jugendamt gewandt hätten, heißt es laut „Tagesspiegel“ in dem Schreiben. Doch die Mitarbeiterin des Jugendamts habe eine „Marginalisierung der Tätergruppe“ befürchtet.
Sie soll laut der Erklärung gesagt haben, dass „die muslimischen Jungen bereits genug im Visier der Polizei“ stünden und ein Generalverdacht verhindert werden müsse. Am 16. Februar habe das Jugendamt die Mitarbeiter des Mädchenzentrums schließlich darüber informiert, keine Strafanzeige stellen zu wollen.
Die eidesstattliche Erklärung wirft Fragen auf: Bisher war der Vorwurf, die Tat wegen des Migrationshintergrunds der Täter verschwiegen zu haben, von den Verantwortlichen vehement zurückgewiesen worden. Die für das Jugendamt und somit auch für das Jugendzentrum zuständige Bezirksstadträtin, Sarah Nagel (Die Linke), erklärte wenige Tage nach Bekanntwerden der Vorwürfe: „Der Hintergrund der Täter spielte zu keinem Zeitpunkt eine Rolle für den Umgang mit den Vorfällen.“
Weiter sagte sie: „Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen.“ Das Jugendamt habe zunächst entschieden, „nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn hierfür auch das Einverständnis des Opfers vorliegt“. Dies sei ein übliches Vorgehen, so Nagel.










