Prozess wegen Kindesentführung
Blocks Verteidiger streiten über geheimes Treffen vor der Tat
20.03.2026 – 08:17 UhrLesedauer: 2 Min.
Im Landgericht Hamburg prallen zwei unvereinbare Versionen der Ereignisse aufeinander. Ein Verteidiger liefert eine Charakterisierung des Entführer-Teams, die den Kern der Anklage erschüttert.
Was wusste Christina Block über die Entführung ihrer Kinder? Um diese zentrale Frage geht es weiterhin in dem Prozess vor dem Landgericht in Hamburg. Am Freitag, 20. März 2026, soll nun ein weiterer Kriminalbeamter aussagen, kündigte das Gericht an. Allerdings, wie immer, unter Vorbehalt.
Am Donnerstag, dem inzwischen 40. Verhandlungstag, stritten die Verteidiger offen über ein angebliches Treffen vom 28. Dezember 2023. Laut Anklage soll Christina Block den Auftrag zur Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder erteilt haben. Ihr Lebensgefährte, der Ex-Sportmoderator Gerhard Delling, gehört ebenfalls zu den Angeklagten. Beide bestreiten die Vorwürfe.
Im Mittelpunkt stand die Frage, ob Block sich kurz vor der Rückholaktion mit dem Entführer-Team getroffen habe. Verteidiger Sascha Böttner vertritt einen 36-jährigen israelischen Angeklagten. Er betonte, das Treffen habe am 28. Dezember 2023 im Hotel Grand Elysée stattgefunden. Das Team sei dabei „ein zusammengewürfelter Haufen“ gewesen – ohne persönliche Bindung an Firmenchef David Barkay (68).
Böttner zufolge sei es den Männern bei dem Treffen darum gegangen, zu „verifizieren, dass der Auftrag von der Kindesmutter erteilt wird“. Die Vermummung habe dazu gedient, „professionelles Auftreten“ zu vermitteln. Sein Mandant sei überzeugt gewesen, es handele sich um eine „Rettungsmission“.
Blocks Verteidiger Ingo Bott widersprach. Ein solches Treffen habe am 28. Dezember nie stattgefunden, erklärte er. Das angebliche Treffen sei nur „Wunschdenken“ der mutmaßlichen Entführer. Diese hätten davon mehrere Versionen geliefert. Und: Lange wurde dieser Termin gar nicht erwähnt. Erst nach der Zeugenaussage von David Barkay habe er davon berichtet – er „will noch irgendwie mitmachen“.
Richterin Isabel Hildebrandt mahnte Bott: Der Verhandlungstag sei kein Platz für ein vorgezogenes Plädoyer. Nebenklage-Anwalt Philip von der Meden bezeichnete Botts Ausführungen als „allgemeine Schwafelei“, die nur die Zeit stehle.
Zeuge David Barkay hatte vor einigen Wochen ausgesagt, Block habe von der geplanten Rückholung Kenntnis gehabt. Sie sei jedoch nicht in Einzelheiten eingeweiht gewesen. Block habe dem Team dafür gedankt, dass es gekommen sei, um die Kinder zu retten.
Der 36-jährige Angeklagte ist der Einzige aus dem Team, der festgenommen wurde und in Untersuchungshaft sitzt. Barkay und drei weitere Israelis hatten für ihre Zeugenaussagen sicheres Geleit erhalten. Sie müssen nun ebenfalls mit einer Anklage rechnen.










