Ein Beispiel: Als die Commerzbank 2008 die Dresdner Bank übernahm, verschwand deren Marke erst rund vier Jahre später vollständig vom Markt. Filialnetze, IT-Systeme und Markenauftritt wurden Schritt für Schritt zusammengeführt. Ein ähnlicher Ablauf wäre auch bei einer Übernahme durch die Unicredit denkbar.
Kurz- und mittelfristig dürften die Veränderungen für Kunden deshalb überschaubar bleiben. Langfristig könnten jedoch Dinge wie IBAN, Konditionen, Filialstruktur oder Markenauftritt angepasst werden. Häufig führen Banken nach einer Übernahme zunächst beide Marken parallel weiter, um den Übergang für Kunden zu erleichtern.
Bei einem Eigentümerwechsel gehen Konten, Depots, Kredite und Sparverträge automatisch auf den neuen Eigentümer über. Die bestehenden Verträge bleiben rechtlich gültig. Änderungen wären in der Regel nur mit Frist oder Kündigungsrecht möglich.
Auch technische Dinge wie Onlinebanking, Karten oder Daueraufträge laufen meist zunächst unverändert weiter. Später könnte es jedoch Anpassungen geben. Die Unicredit könnte etwa Filialen zusammenlegen oder Strukturen neu organisieren. Für Kunden könnte das bedeuten, dass Standorte geschlossen oder Beratungsangebote verändert werden.
Unicredit-Chef Andrea Orcel betont allerdings, dass die Bank in Filialen investieren wolle, statt sie massenhaft zu schließen. Er verweist laut eigenen Aussagen auf Erfahrungen in Italien: Dort habe die Bank Filialen modernisiert und Mitarbeiter umgeschult. Kleinere Stellenstreichungen in den Zentralen schließt Orcel zwar nicht aus, betont aber, dass Kostensenkungen nicht primär über Personalabbau erfolgen sollen.
Eine mögliche Integration hätte zunächst vor allem technische Folgen. Beide Banken arbeiten derzeit mit unterschiedlichen IT-Systemen. Diese zusammenzuführen würde viel Zeit und Investitionen erfordern. Bei großen Bankenfusionen kann die vollständige Integration drei bis fünf Jahre dauern.
Langfristig könnte sich auch das Geschäftsmodell verändern. Denkbar wäre etwa, dass die Bank stärker auf margenstarke Produkte wie Wertpapiergeschäft, Vermögensverwaltung oder Baufinanzierung setzt. Das Girokonto könnte stärker als Plattform dienen, um weitere Finanzprodukte anzubieten.
Für Kundinnen und Kunden könnte das bedeuten: weniger kostenlose Standardleistungen, dafür mehr Angebote rund um Geldanlage und Wertpapiere – ein Trend, der auch bei anderen Bankenfusionen in Europa zu beobachten war.
Kritik an der Bankenfusion von Gewerkschaften und Betriebsrat weist Orcel zurück. Sie fürchten, die Rolle der Commerzbank als wichtige Mittelstandsbank könne geschwächt werden. Der Unicredit-Chef argumentiert dagegen, die italienische Bank könne gerade mittelständischen Unternehmen zusätzliche Angebote machen – etwa bei Handelsfinanzierung, Absicherungsgeschäften oder Nachhaltigkeitsberatung.











