Die Zahlen waren anschließend weiter richtig – aber die Proportionen stimmten nicht. „Das ist zunächst nicht aufgefallen, und das ist sehr ärgerlicher Fehler in solchen Zeiten, in denen das Vertrauen in Medien unter Druck ist“, sagt Thomas Heinrich im Gespräch mit t-online. Um 8 Uhr startete der Stream. Drei Mal war in dem folgenden, knapp halbstündigen Livestream die falsche Grafik eingeblendet.
Das sah so aus: An die beiden korrekt dargestellten Tortenstücke von Grünen und CDU schloss das deutlich zu große der SPD an. Sie hat zehn Sitze geholt. Die AfD kam mit 35 Sitzen auf mehr als die dreifache Menge, ihr blaues Stück war aber nur 1,6-mal so groß wie das der SPD. Das war für AfD-Anhänger und einige Kritiker des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Anlass, politische Motive zu unterstellen.
Die Entstehung: Doch wie konnten die Zahlen korrekt sein, während die Grafik falsch war? Hier kommt gleich doppelt eine Eigenheit ins Spiel, wie TV-Grafiken erzeugt werden: Beim ZDF werden, wie bei anderen Sendern auch, die Zahlen für das Grafikelement zweimal eingegeben. Das war hier der Fall, so Heinrich. Einmal, damit sie als Textfelder in der Grafik erscheinen, und einmal, damit die grafische Darstellung daraus erzeugt wird. Erfolgt dieser Prozess automatisiert in einem einzigen Schritt, kann die Beschriftung missverständlich platziert sein.
Im Eingabefeld für die Erzeugung der Grafik passierte dann der Fehler. Das ZDF spricht ausdrücklich von „einer“ falschen Eingabe. Die Gesamtzahl der Sitze sei auf die richtige Zahl korrigiert worden und nicht die falsch eingegebene Zahl geprüft und korrigiert worden. Dafür, dass dann die AfD so klein dargestellt wurde, kommt nach t-omline-Recehrchen eine zweite Eigenheit ins Spiel.
Wenn in verbreiteten Anwenderprogrammen wie Excel eine Zahl falsch ist, ändert sich die Summe und der Fehler wird rechnerisch anhand der neuen Summe auf alle verteilt. Dort können keine korrekten Zahlen neben einer falschen Grafik erscheinen. Das ist bei der Grafiksoftware anders.
Sie erstellt die Tortenstücke offenbar einer vorgegebenen Reihenfolge nach – und baut das letzte Stück aus dem auf, was anhand der vorgegebenen Gesamtzahl übrig ist. Für das blaue Stück der AfD an letzter Stelle war nur noch wenig Platz. Eine falsche Eingabe kann also Segmente zu groß erscheinen lassen – und das letzte Segment automatisch zu klein, weil der Halbkreis insgesamt nur 180 Grad umfasst. Beim ZDF spricht man aber ausdrücklich von einem Fehler in der Bedienung, nicht von der Software.*









