Berichte über Pädophilen-Fahrdienst
Erzbischof soll Jungen missbraucht haben
Aktualisiert am 13.03.2026 – 08:49 UhrLesedauer: 2 Min.
Wissenschaftler untersuchen die Verfehlungen von katholischen Geistlichen. Die Rede ist von einem „pädophilen Netzwerk“, dem auch ein Erzbischof angehört haben soll.
Im Erzbistum Paderborn haben in den Jahren 1941 bis 2002 deutlich mehr Priester Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht als bisher bekannt. Das ist das Ergebnis einer unabhängigen Studie, die die Universität Paderborn am Donnerstag vorgestellt hat.
Bislang galten laut 2018 veröffentlichen Zahlen der Deutschen Bischofskonferenz für diesen Zeitraum 111 Priester als Beschuldigte. „Diese Zahlen sind stark zu korrigieren“, sagte die Mitautorin und Historikerin Nicole Priesching nun. Es gebe mittlerweile Hinweise auf 210 Beschuldigte, die 489 Kinder und Jugendliche missbraucht haben sollen. Das sind 4,35 Prozent der über die Jahre beschäftigten Kleriker.
Der WDR berichtete zudem, dass es auch gegen den verstorbenen Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt persönlich schwere Vorwürfe gibt. Er soll demnach während seiner Amtszeit von 1974 bis 2002 minderjährigen Jungen sexualisierte Gewalt angetan haben.
Den Studienautoren seien zwei oder drei Vorwürfe gegen Degenhardt bekannt. Die Betroffenenvertretung halte die Vorwürfe für glaubwürdig, berichtete der WDR. Degenhardt, der ein Jahr vor seinem Tod zum Kardinal erhoben worden war, könnte demnach Teil eines „pädophilen Netzwerks“ gewesen sein, das sich gegenseitig minderjährige Jungen zuführte. Kinder seien demnach mit einem Fahrdienst zu Geistlichen nach Hause gebracht worden, hieß es.
Während der Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Degenhardt soll versucht worden sein, Missbrauchsfälle zu vertuschen und Täter zu schützen. Die Opfer und deren Familien sein unter Druck gesetzt worden, Anzeigen zurückzuziehen. Wenn Priester geständig waren, die Fälle aber in der Öffentlichkeit noch nicht bekannt waren, hätten sie ihre Arbeit in der Regel fortsetzen können.
Das Bistum Paderborn teilte mit, die Bistumsleitung werde sich nun „vertieft mit den vollständig vorliegenden Ergebnissen der Studie befassen und diese sorgfältig auswerten“. Der aktuelle Erzbischof Udo Markus Bentz erklärte, es sei bereits deutlich geworden, „wie viel Leid Menschen im Raum der Kirche erfahren haben – und wie lange dieses Leid tabuisiert und nicht ernst genug genommen worden ist“. Er sprach von „schuldhaftem Versagen“ früherer Bistumsverantwortlicher, das sich nicht relativieren lasse.










