„Ich habe die Ausmaße unterschätzt“
„Arbeitsloser des Jahres“ bricht nach TV-Eklat sein Schweigen
10.03.2026 – 09:31 UhrLesedauer: 2 Min.
Als „Arbeitsloser des Jahres“ führte Yannis Berkard gleich mehrere TV-Sender hinters Licht. Jetzt erklärt er in einem Interview, was dahintersteckte.
„Arbeitsloser des Jahres“ – in goldenen Buchstaben prangte dieser Schriftzug auf dem schwarzen Shirt von Yannis Berkard, als er sich zur besten Sendezeit bei Sat.1 als Bürgergeldempfänger präsentierte. Die Sendung „Ronzheimer – Wie geht’s, Deutschland?“ machte ihn bundesweit bekannt. Auch ARD und ZDF ließen sich vom „Bürgergeld-Influencer“ narren.
Doch Berkard ist nicht der, der er vorgab zu sein. Er trägt nicht einmal den Namen, unter dem er auftrat. Jetzt hat der 25-Jährige mit dem Medienmagazin „dwdl.de“ gesprochen und zugegeben, dass ihn ein schlechtes Gewissen plagt.
Seine Motivation erklärt er mit einem abgelehnten Bürgergeldantrag: „Da war ich dann ein bisschen sauer und habe begonnen, aus dieser Prämisse einen Social-Media-Auftritt zu machen, um den Ruf des Jobcenters ein wenig zu verschlechtern, weil ich mich im Stich gelassen fühlte“, sagt Yannis Berkard in dem Interview.
Auf TikTok präsentierte er sich daraufhin öffentlich als Arbeitsloser – was der Wahrheit entsprochen habe, betont Berkard. „Der einzige Knackpunkt war, dass ich kein Bürgergeld empfangen konnte.“ Die Videos erreichten Millionenabrufe, bald meldeten sich zahlreiche Redaktionen bei ihm. Berkard sagt, er habe die Gelegenheit genutzt: „Als die ersten Sender und Redaktionen auf mich zugekommen sind, habe ich die Chance ergriffen, das Jobcenter öffentlich schlecht dastehen zu lassen.“ So wollte er es der Behörde „quasi heimzahlen“.
Für seine TV-Auftritte legte er falsche Dokumente vor, die ihn als Bürgergeldempfänger auswiesen. Urkundenfälschung habe er dabei nicht betrieben, beteuert Berkard. Die Unterlagen wirkten jedoch augenscheinlich echt genug, um die Redaktionen zu überzeugen. Sat.1 kündigte deshalb an, juristische Schritte gegen Berkrad prüfen zu wollen.
Das ZDF nahm einen „Hallo Deutschland“-Bericht über Berkard inzwischen aus der Mediathek. Bei Berkard selbst ist dieser Beitrag noch heute ganz oben auf seinem Instagram-Kanal zu finden.
Den größten Widerhall erzeugte die „Ronzheimer“-Sendung, in der „Bild“-Vize-Chefredakteur Paul Ronzheimer sogar Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) mit Berkards Aussagen konfrontierte. „Ich habe die Ausmaße unterschätzt“, räumt Berkard rückblickend ein. „Dass mein Auftritt so hohe Wellen schlägt, hätte ich mir nicht vorstellen können.“











